MATRIX 3/2014 (37) • 100 Jahre Erster Weltkrieg

M_37_1Seismogramme des Kriegsalltags

Eine Fata Morgana schien die endgültige Fassung dieser MATRIX-Ausgabe zu sein: Sie wuchs und wuchs und wuchs und wir mussten irgendwann STOPP! sagen, sonst hätte sie alle vorstellbaren Rahmen gesprengt. Das 100-jährige Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist eigentlich vorbei, doch angesichts der heutigen Realität sollten wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Es lässt sich nicht ohne Weiteres verdrängen, dass wir Bürger eines Landes sind, das in der Vergangenheit heftig vom Kriegsfiebervirus erwischt wurde und dadurch sich selbst und der Welt unvorstellbares Leid und Schaden zugefügt hat. Dennoch sieht es so aus, als wollten sich unsere Volksvertreter auch bei diesem Anlass trotz des weltweit ausgebrochenen Erinnerungsfiebers eher zurückhalten. Doch das Gedenken an die Tragödie – so unbequem es sein mag – beinhaltet auch eine Chance. Es liegt an uns, diese Gelegenheit zu nützen. Was natürlich nicht leicht ist in Zeiten der Kriegsrhetorik, des Nationalismus, Dschihadismus etc., aber immer noch möglich. So lange, wie uns die Zeit reicht.
Dass durch eine Reihe von peinlichen Pannen und grotesken Lügen, durch eine unglaubliche Mischung von guten und schlechten Absichten, von verborgenem und sichtbarem Willen, über Nacht ein Weltkrieg entstand, ist Gott sei Dank geklärt: nichts Nennenswertes, nichts Ideelles, nichts Zukunftsweisendes dahinter – und trotzdem ein Weltkrieg. Die kleinlichen Querelen, die Nichtigkeiten und die dazugehörige unfähige, aus der Zeit gefallene Diplomatie wirken auf mich sonderbar aktuell. Warum interessiert sich heutzutage niemand für die Haufen von internationalen und nationalen Lügen, von willkürlichen Interpretationen, von ethnozentristischen Gedanken, frage ich immer öfter, ohne eine Antwort zu finden. Deswegen höre ich aber nicht auf, weiterhin zu fragen – weil ich immer noch an Recht, Gerechtigkeit, Fortschritt und Freiheit glaube. Ich weiß, ich weiß, auch die Barbarei führt die Argumente „Recht, Gerechtigkeit, Fortschritt und Freiheit“ im Munde. Dies entschuldigt aber nicht unser Zögern, Wegsehen und Schweigen. Denn selbst nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs haben sich die kriegerischen Handlungen – ob sie Panama, Vietnam, Irak, Jugoslawien, Afghanistan, Ukraine heißen, um nur einige Desaster aufzulisten – fortgesetzt. Auch die gegenwärtige Isolierung Russlands weckt Befürchtungen. Mehr vielleicht als alle anderen Konflikte, die fast alle Regionen der Welt entzündet haben. Dem Zusammenhang zwischen dem heutigen weltpolitischen Aufrüsten und dem Ersten Weltkrieg wird aber immer noch kaum Beachtung geschenkt. Wegen des größten wirtschaftlichen Erfolgs aller Zeiten – namens Waffenindustrie?
Zeitzeugen der damaligen blutigen Kämpfe gibt es nicht mehr. Die schrecklichen Geschehnisse geraten zunehmend in Vergessenheit. Was bleibt, sind die Schauplätze. Die Wege der Erinnerung 14–18, wie die Franzosen sie genannt haben. Kriegs-Tourismus: Was für eine makabre Beschäftigung, dachte ich, als ich quasi ohne Vorwarnung mitten auf einen solchen Schauplatz der blutigen Stellungskämpfe geriet. Nun weiß ich, dass sich die Gegner in einem Abstand von wenigen Metern gegenüberlagen. Sie haben sich gegenseitig beobachtet, gesehen, gehört. Eigentlich haben sie in diesen engen Stellungen zusammen gelebt, sind hier zusammen gestorben. Wussten sie auch warum?

Klaus Martens schreibt in seinem Essay: „.. uns geht die allzu wenig beachtete literarische Seite der laufenden Diskussionen an, vor allem die Opfer der Kämpfe auf allen Seiten der Fronten: Georg Trakl, Ernst Stadler, Alfred Lichtenstein, August Stramm, Wilfred Owen, Rupert Brooke, Guillaume Apollinaire, Charles Péguy – wir kennen die Namen, diese und viele andere. Aber auch Überlebende wie Gottfried Benn und Ernst Jünger, deren Werke direkt oder indirekt nie davon loskamen.“
Die kleine Werkauswahl ergänzen literarische und historisch-analytische Beiträge von Axel Kutsch, Richard Wagner, Horst Samson, Otto Alscher, Dieter Schlesak, Gabriele Frings, Peter Ettl, Norbert Sternmut, Thomas Kade, Gisela Hemau, Franz Heinz, Katharina Kilzer, Manfred Pricha, Hans Schneiderhans, Peter Frömmig, Sander Wilkens, Rainer Wedler, Barbara Zeizinger, Francisca Ricinski und Charlotte Ueckert – als ein Versuch, uns die damaligen Ereignisse künstlerisch nahezubringen. Dass ein solches Unterfangen nicht einfach ist, trotz (oder wegen?) der 100 Jahre, die dazwischen stehen, beweist die simple Feststellung unseres Autors Frank Milautzcki über Rudolf Börsch: „Ob er in Galizien oder in Frankreich den Tod suchte und fand, bleibt vorerst offen.“
Als Rahmen habe ich einige Fotos ausgewählt – und füge hier als Kommentar hinzu: Was bleibt, ist der Rasen, mit schmucklosen Kreuzen übersät. Einige davon sind aus Metall und schwarz, so sah es der Versailler Vertrag für alle deutschen Gefallenenfriedhöfe vor. Dazwischen Steinstelen für die gefallenen jüdischen Soldaten, die für Deutschland gekämpft haben.

Entgegen allen kriegerischen Handlungen erlauben wir uns weiterhin, an Literatur und Kunst zu glauben. Wir feiern also mit Theo Breuers Essay „Wie eine Lumpensammlerin“ das runde Geburtsdatum Friederike Mayröckers, unser China-Korrespondent Ulrich Bergmann eröffnet seine Reihe „Die Monde der gelben Mitte“ und Horst Waldemar Nägele feiert mit uns den 250. Geburtstag des dänisch-deutschen Dichters und Philosophen Jens Immanuel Baggesen.
Unser Atelier bietet diesmal „An imaginary conversation“ (zwischen Tycho Brahe und Johannes Kepler), das erste Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Jean-Patrick Connerade (pen-name Chaunes) und unserem Redakteur Uli Rothfuss, sowie neue Texte von Jürgen Kross, Martina Hegel, Andreas Noga, Edith Ottschofski und Gerhard Bauer. Der Debütant diese Ausgabe, Thomas Reeh, stellt sich mit einem Prosastück vor: „Es ist alles unwahr oder 10 Liebesbegegnungen“. Jede Menge neue Bücher rezensieren Theo Breuer, Johann Holzner, Wolfgang Schlott, Uli Rothfuss, T. T. Pop, Dieter Mettler, Benedikt M. Trappen und Jo Weiß. Peter Frömmig hat für uns die Ausstellung „Reisen. Fotos von unterwegs“ im Literaturmuseum der Moderne in Marbach angeschaut. Und Aufmerksamkeit verdienen auch die Materialien in unserem Forum, für die Klaus Staeck, Horst Samson und Wolfgang Schlott zeichnen.

Wir wünschen Ihnen – trotz des schwierigen Themas – eine angenehme Lektüre!

T. Pop

Es signiert:

• Barbara Zeizinger • Gabriele Frings • Rudolf Börsch • Wilfred Owen • Georg Trakl • August Stramm • Robert Frost • Richard Wagner • Klaus Staeck  • Horst Samson • Horst Waldemar Nägele • Gisela Hemau • Axel Kutsch • Klaus Martens • Otto Alscher • Dieter Schlesak • Franz Heinz • Rainer Wedler• Manfred Pricha • Norbert Sternmut • Gerhard Bauer • Charlotte Ueckert • Jean-Patrick Connerade/Chaunes • Uli Rothfuss • Peter Frömmig • Peter Ettl • Thomas Kade • Sander Wilkens • Martina Hegel • Edith Ottschofski • Jürgen Kross • Andreas Noga • Ulrich Bergmann • Johann Holzner • Theo Breuer • Jo Weiß • Traian Pop Traian • Benedikt M. Trappen • Hans Schneiderhans • Katharina Kilzer • Francisca Ricinski • Dieter Mettler • Wolfgang Schlott •

MATRIX 4/2014 (38) • Esma Oniani

M38Was Sie gerade lesen, sind nur geklonte/geklaute Zeilen aus einem langen Brief an einen Kulturminister, der vor etwa drei Wochen an den Börsenverein sowie einige Zeitungen ging.
Eine Reaktion darauf habe ich nicht mitbekommen, deshalb denke ich, dass selbst eine Skandalentscheidung hinsichtlich einer Preisverleihung nicht so viel graues Licht werfen wie eine noch viel grauere literarische Landschaft schlucken kann. Es ist unerklärlich, schier unglaublich, aber trotzdem wahr, was da – wieder einmal, muss man sagen – passiert ist.

Ich gehe weder von gehörigem Unwissen noch von hochgradigem Desinteresse der Juroren aus und genauso wenig wie gezielter Korruption, obwohl es ganz danach aussieht, so abwegig ist deren ,Richtspruch‘. Da wird die Literatur förmlich vom hohen Gerüst gestürzt und ein Popanz von Verlag als Polier auf die Bretter weit über den Köpfen projiziert. Was für eine Kulturschande!

Diese Entscheidung Jahr für Jahr Ignoranten überlassen? Wie lange soll das unwidersprochen fortdauern? Künftig sollten Sachverständige in diese Entscheidung aktiv eingebunden sein, anstatt die Köpfe in den Sand zu stecken und so haarsträubende Verdikte zu akzeptieren, wenn Dichterland und öffentliche Gelder beteiligt sind.

Nun, da die Katze aus dem Sack ist und tot im Dreck liegt, sind Kreativität und offensiver Umgang mit solch grober Fehlentscheidung gefragt, will heißen, der Geschädigte hat eine Wiedergutmachung für den zugefügten Schmerz und die ungerecht erlittene Schmach verdient, und sei es auch nur in Form einer Entschuldigung. Am segensreichsten wäre es freilich für die Literatur des schönen, sich mit einer wahrlich großen dichterischen Vergangenheit schmückenden Ländle, ein rühmliches Projekt zu fördern anstatt eines belanglosen – man höre und staune – „mit Buchideen zum amerikanischen Transzendentalismus“, was immer das sein mag.

Dass das Kulturministerium da nicht rebelliert, sondern mitspielt, ist dabei mehr als nur erstaunlich.
Dass das verschlafene Leitungsgremium des dichterländlichen Verbandes deutscher Schriftsteller da nicht kritisch seine Stimme erhebt, ist die nächste Katastrophe.

„Nun, da die Katze aus dem Sack ist und tot im Dreck liegt“, wollte ich von Editorial, Zeitschrift und Literatur nichts mehr wissen. Wolle aber und mache das, wer kann …

Ich bin mächtig, ich bin nichts…

Eines allerdings sollte dem Literaturbetrieb niemand ankreiden: dass man sich nicht ausreichend mit Georgiens literarischer Landschaft auseinandergesetzt habe. Als einen ersten Tropfen auf den heißen Stein sehen wir daher den Versuch, eine Grande Dame der georgischen Literatur und Kunst vorzustellen: Esma Oniani. Jörg Alexander Henle erinnert sich an seine erste Begegnung mit deren bildkünstlerischem Werk: Ein Feuerwerk in Rot empfing den Besucher, der von der Straße in die Gemäldegalerie eintrat. (…) Die Bilder von Esma Oniani waren Flammen, die Wasser nicht löschen konnte. Was sie ausstrahlten, war Kraft. Kraft und Zärtlichkeit. 60 Jahre alt war die Künstlerin, die 1999 starb. Wir denken an „Blau“, wenn wir den Namen Yves Klein hören. Von nun an werde ich an Esma Oniani denken, wenn ich „Rot“ höre. Wir laden Sie ein, die georgische Schriftstellerin und Malerin kennenzulernen: mit Gedichten, Gedanken über die Poesie, Zeichnungen und Bildern ab Seite 7.

 »Fetzchen« ∙ It’s Mayröcker Time

Mit Ștefan Aug. Doinaș wollen wir der deutschsprachigen Leserschaft den Blick ins Werk eines der prominenten Akteure der gegenwärtigen Literatur aus Rumänien vermitteln. Mit einem Essay von Theo Breuer feiern wir Friederike Mayröcker, eine der markantesten literarischen Stimmen der heutigen Zeit, die am 20. Dezember 90 Jahre jung wird.

Die Monde der gelben Mitte

Unser China-Korrespondent Ulrich Bergmann berichtet in seiner Reihe „Die Monde der gelben Mitte“ über „Qingdao – eine neue Welt und drei chinesische Parabeln“. Das Atelier präsentiert Gedichte von Rainer Maria Gassen, Wolfgang Schlott und Elke Engelhardt sowie Prosatexte von Mark Behrens, Sabine Bentler und Alex Judea, dazu einen Theaterstück-Auschnitt von Christian Knieps.
Das Bücherregal dieser Ausgabe schmücken aufschlussreiche Rezensionen. Es signieren: Edith Ottschofski, Wolfgang Schlott, Rainer Wedler, Uli Rothfuss, Willi van Hengel, Klaus Martens, Elke Engelhardt, Dieter Mettler und Stefanie Golisch. Wolfgang Schlott besuchte Yuri Alberts Ausstellung im Bremer Museum für moderne Kunst, Weserburg. Und Barbara Zeizinger berichtet im Forum über unsere Präsenz auf der Frankfurter Buchmesse 2014 sowie über die Verleihung des Gerhard-Beier-Preises an unseren Mitstreiter Horst Samson.

Liebe Leserinnen und Leser, falls ich Sie mit meinen einleitenden Gedanken belastet oder sogar belästigt haben sollte, tut mir das leid, aber ich denke, dass eine freie Meinungsäußerung unserem Literaturleben nicht schaden kann. Mag sein, dass nicht alles so grau ist, wie es manchmal aussieht. Doch nichts zu sagen, das bringt nichts. Sich aber über irgendwelche Entscheidungen einiger Preisrichter zu ärgern, statt sich mit Literatur und Kunst zu befassen, das ist auch nicht richtig – das gebe ich an dieser Stelle offen zu. Es gibt Besseres zu tun.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, eine gute, versöhnliche Weihnachtszeit und einen gelungenen Start ins neue Jahr!

Herzlich,
Traian Pop

Es signiert:

• Esma Oniani • Dominik Irtenkauf • Jörg A. Henle • Ștefan Aug. Doinaș • Theo Breuer • Rainer Maria Gassen • Sabine Bentler • Uli Rothfuss • Mark Behrens • Elke Engelhardt • Rewas Twaradse • Edith Ottschofski • Ulrich Bergmann • Willi van Hengel • Rainer Wedler • Stefanie Golisch • Dieter Mettler • Wolfgang Schlott • Alex Judea • Christian Knieps • Traian Pop • Klaus Martens • Barbara Zeizinger •

MATRIX 1/2015 (39) • Dieter P. Meier-Lenz

M39Stellen Sie sich mal vor: Egal ob die Information von einer Zeitung, einem Radiosender, TV-Programm oder Blog kommt – überall die gleiche Meinung. Stellen Sie sich dazu noch vor, dass keiner es merkt, zu merken scheint oder merken möchte. Alle haben sich damit arrangiert, alle können damit gut leben. Was soll da noch die Erinnerung an Zeiten, als es verschiedenste Meinungen und Ansichten zum gleichen Thema gab? Wohin mit den „edel, hilfreich und gut“ gesinnten Militanten, die ringsum in der Nachbarschaft die Briefkästen mit Flugblättern gespickt haben, die mit Bild und Adresse vor dem „Störfaktor unserer guten Nachbarschaft“ warnen, der ihrer Ansicht nach „zwischen uns keinen Platz“ habe? Wohin mit dem „Lügenpressevorwurf“? Wohin mit der ständigen Manipulation der Öffentlichkeit in großem Stil? Wohin mit den Whistleblower-Enthüllungen? Wohin mit den Verschwörungstheoretikern, die endlich kapiert haben, was „unseren“ Werten, Interessen und Rechten am besten dient? Eine Vorstellung lässt mir schon lange keine Ruhe: Jeder weiß, das Christus’ Opfer nur der Gipfel einer Pyramide von Opfern ist, die jeden Tag wächst und jede der alltäglichen Wachstumsprognosen (um auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben) in den Schatten stellt – aber keiner hat damit ein Problem. Dass diese Vorstellung Realität ist, will ich immer noch nicht wahrhaben. So viel Freiheit muss mir doch erlaubt sein. Ihnen auch, keine Angst. Probieren Sie’s! Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich ein total anderer Mensch bin, seitdem mir bewusst wurde, wie und was sich hinter der Freiheit verstecken kann.

Als Freiheit sehe ich auch die Entscheidung der Redaktion von „Charlie Hebdo“ an, die absolut passende Karikatur dieser Tage, die ihr sogar umsonst angeboten wurde, nicht zu veröffentlichen: das Bild mit dem französischen Präsidenten François Hollande, der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, den Staatschefs von etwa 40 weiteren Ländern sowie Vertretern eigentlich aller großen Weltreligionen beim „Republikanischen Marsch“. Dass dies nur ein Fototermin war, wissen angeblich alle. Vor allem jene, die sich lieber etwas anderes gewünscht hätten: einen Verzicht, zum Beispiel auf die kollektive Anreise, um die so eingesparten Reisekosten einem Fond zu spenden, der den Hinterbliebenen und den überlebenden Opfern zugute kommt. Genauso wie jene, die diese Inszenierung bewusst als Beweis für die fröhliche Nachricht sehen, dass unsere politischen Vertreter – Seite an Seite mit dem saudischen Außenminister und gemeinsam mit dem Volk – für eine freie Presse marschiert sind. Vielleicht ist es aber auch ganz anders gewesen. Man könnte genauso gut annehmen, dass diese Inszenierung nichts anderes als eine Falle für mögliche Attentäter war: dass die Elite dieser Welt sich selbst als Lockvogel zur Verfügung gestellt hat, um die Aufmerksamkeit potenzieller Attentäter von den Angehörigen und Freunden der Opfer abzulenken. Wie sähe es dann mit dem Thema „Mangel an Courage“ aus? Ah, ja, noch eine Verschwörungstheorie: dieses ewige „Wort des Jahres“, das uns immer wieder Hilfestellung gibt …

165 Jahre EMINESCU

Unter dem Motto „Und wenn die Wolken weiterziehen: 165 Jahre EMINESCU“ stellen wir in diesem Heft den in Rumänien überaus verehrten romantischen Dichter Mihail Eminescu vor, der mit seinem Werk Maßstäbe setzte für die weitere Entwicklung der rumänischen Literatursprache – mit einigen Übersetzungen sowie einem ausführlichen Essay von Christian W. Schenk. Simona-Grazia Dimas Beitrag „Eminescu, Schopenhauer, Veda“ rundet unser Gedenken mit eine Facette der heutigen Rezeption seines Werkes ab.

Dieter P. Meier-Lenz wird 85

Feiern – und zwar auf 118 Seiten – wollen wir in dieser MATRIX das Geburtstagskind Dieter P. Meier-Lenz, der 85 Jahre alt wird: „Ein großer Dichter ohne jede Attitüde“, wie unser Redakteur Rainer Wedler hervorhebt. Nicht nur mit seinen Gedichten, sondern auch mit einem kurzen Interview sowie einigen Essays, Prosabeiträgen und Bildern versuchen wir, Ihnen einen lebhaften Eindruck vom Autor und seinem Werk zu vermitteln.
Auf eine literarische Reise – „Zurück in die Zukunft der 1990er-Jahre“ – nimmt uns Theo Breuer in seinem Essay „Traumtänzer“ mit.

China auf der Suche nach der optima res publica?

Und Ulrich Bergmann setzt seine China-Fahrt fort und berichtet von der Suche dieses Staates nach der „optima res publica“.

„Das Schreiben ist meine Weise zu existieren“, räumt Dorthe Nors, eine dänische Schriftstellerin, die mit ihren Büchern gerade die Welt erobert, im Gespräch mit unserer Chefredakteurin Francisca Ricinski ein.
Michael Fruth und Willi van Hengel bestücken das Atelier mit gelungener Poesie und Prosa. Die Essays und Rezensionen von Ulrich Bergmann, Christine Kappe, Wolfgang Schlott, Uli Rothfuss, Christian Knieps und Elke Engelhardt füllen unser Bücherregal. Henri-Paul Campbell berichtet im Forum über den Deutsch-Arabischen Lyrik-Salon.

Und nicht zuletzt informieren wir Sie, dass unsere nächste MATRIX-Ausgabe, die dem bekannten Schriftsteller Richard Wagner gewidmet ist, kurz von der Leipziger Buchmesse erscheinen wird, wo sie am 15. März um 12.30 Uhr im Café Europa (Halle 4, Stand E401) vorgestellt wird. Übrigens finden Sie uns in wie im letzten Jahr in Halle 4, Stand E404. Folgende Autoren begleiten uns diesmal auf der Messe: Ilse Hehn, Steliana Huhulescu, Christine Kappe, Edith Konradt, Ioana Nicolaie, Franciska Ricinski, Barbara Zeizinger, Dato Barbakadze, Mark Behrens, Ulrich Bergmann, Benedikt Dyrlich, Eric Giebel, Wjatscheslaw Kuprijanow, Klaus Martens, Horst Samson, Bosko Tomasevic, Rainer Wedler und Karl Wolff. Den raffinierten Literaturliebhaber und -kenner Gert Weisskirchen konnten wir als Moderator gewinnen. Sie sind herzlich eingeladen, uns zu besuchen.

Ich hoffe, Sie sind neugierig geworden und wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr
Traian Pop

Es signiert:

• Michael Fruth • Jürgen Nendza •  Johann P. Tammen • Dieter P. Meier-Lenz  • Und wenn die Wolken weiter ziehn: 165 Jahre EMINESCU • Christian W. Schenk • Traian Pop • Simona-Grazia Dima • Dorthe Nors • Francisca Ricinski • Christoph Leisten  • Christian Knieps • Theo Breuer • Traumtänzer · Zurück in die Zukunft der 1990er Jahre • Elke Engelhardt • Ulrich Bergmann • Willi van Hengel • Rainer Wedler • Wolfgang Schlott • Barbara Zeizinger • Henri-Paul Campbell •

MATRIX 2/2015 (40) • Richard Wagner

MATRIX_40_A… wo es eine Literatur gibt,
da gibt es nicht diese Literatur einfach, sondern es gibt sie,
weil nach ihr verlangt wird … (143 Seiten mit und über Richard Wagner)

 

Wenn ich Sie aufforderte, das Editorial dieser MATRIX einem Psychiater vorzulegen, würden Sie lachen. Dennoch behaupte ich, dass diese „komische“ Gattung rasch ihre Funktion und somit ihre Existenzberechtigung verlieren kann. Doch lesen Sie zunächst die Geschichte und versuchen Sie erst danach, mir zu widersprechen.
Seit einigen Wochen arbeite ich intensiv an dieser Ausgabe, ohne einen Gedanken an das Editorial verloren zu haben. Nun ist das Heft fast fertig, und ich … schreibe das Editorial. Es soll, wenn möglich, soviel wie möglich über die Beziehung des Herausgebers zu den herausgegebenen Texten vermitteln und ungefähr so lang sein wie jenes der letzten Ausgabe. Um diesen Platz geht es eigentlich, obwohl bisher davon nie die Rede war. Und weil der vom Buchstabenhunger geplagte Editorial-Schreiber immer wieder unsere „Welt und ihre Dichter“ und unsere „Debütanten“ als Vorratskammer betrachtet und aus unserem „Atelier“ und unserem „Bücherregal“ genascht hat, sah ich mich veranlasst, auf diese Art von „literarischem Schengen-Raum“ zu verzichten. Das Editorial sollte also in Zukunft eine Pufferzone erhalten und durch einen Riesenzaun von Inhaltsverzeichnis und Inhalt getrennt werden. Gesagt, getan. Zehn Zentimeter breit und siebzehn Zentimeter lang. Nur stellte ich beim Nachmessen fest, dass von den zehn Zentimetern Breite höchstens acht übrig waren und die Länge sich sonderbarerweise auch um etwa drei Zentimeter verkürzt hatte. Denn das Problem lag woanders: Als die anderen Rubriken mein Vorhaben kapiert hatten, fingen sie an, sich zu wehren, weil ich mit Gewalt auf ihr Grundstück vorgedrungen war. „Der Titel da gehört mir“, meckerte das Inhaltsverzeichnis. „Und dieser Buchstabe da gehört mir“, warf mir das „Forum“ eine halbe Stunde später vor. Allerdings gibt es für solche Orte keine Landvermesser, und ich persönlich habe zwei linke Hände, wenn es um so etwas geht.
Hinzu kamen die Angst, nicht rechtzeitig fertig zu werden, und die noch größere Befürchtung, dass Autoren wie Leser dieser Ausgabe mit meinem Editorial nichts anfangen könnten. Wäre es besser, es ganz verschwinden zu lassen? Anscheinend ja. Doch was sollte dann mit den vielen Buchstaben, Wörtern und Sätzen geschehen, die schon über den Zaun hierher gesprungen waren? Erlauben Sie mir, zumindest einiges zu zitieren:

Der Aussiedler, der sich nach zwei Seiten behaupten muss: dem Einheimischen seine Zugehörigkeit weismachen und dem Ausländer den Unterschied erklären. (…)  Der Aussiedler kann nicht Einheimischer und will nicht Ausländer sein.

Die Auswanderung ins Zentrum ist stets auch eine Kapitulation vor der Unlösbarkeit der Widersprüche der Peripherie. Im Zentrum aber wird der Minderheitenschriftsteller bald erfahren, dass ihm sein Dilemma erhalten bleibt.

Im Westen für die Schublade schreiben, heißt für die westliche Öffentlichkeit     schreiben. Für alle, die nicht Einheimische sind, gibt es die entsprechenden Schubladen. Den Schlüssel zu den Schubladen hat der Literaturbetrieb.

Niemand entgeht der Frage nach der Landsmannschaft. Was für ein Landsmann sind Sie?

Als Ceausescu und ich 68er waren.

… die Behauptung, Solschenizyn sei im Lager womöglich Informant gewesen. Sie wird sogleich mit dem aktuellen Kundera-Streit assoziiert. Als sei Kundera als Informant in Erscheinung getreten. In beiden Fällen wurde nichts dergleichen bewiesen, die skandalöse Unterstellung aber ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen.

Als Parkinson-Kranker hat man mehr Zeit als andere Leute, man ist halt langsam, wenn man aber langsam denkt, denkt man vielleicht auch Gescheiteres, als wenn man mal schnell etwas denkt.
Brennpunkt-Publizist, Ehrenmörder-Anwalt, Geldwirtschafts-kritiker, Kindheits-Dekonstruktivist, Koran-Versteher, Leuchter-report-Bibliograph, Listenplatz-Politiker, Polkappenforscher, Schiffbruchsphilosoph, Stalker-Therapeut“, die „zehn krisenfesten Berufe für arme Geister.

All diese Zitate stammen aus unserem Schwerpunkt, der diesmal Richard Wagner gewidmet ist. Nicht zu überlesen, wie er sein Banat …

jetzt / da ich es nur noch von außen zu sehen bekomme / von der Weltstadt aus / in die ich mich vor Jahrzehnten mit fliegender Fahne begeben habe / ist es / als läge das Banat weit draußen vor den Toren des Planeten

… nicht nur sieht, sondern uns allen schenkt. Genauso wie sein gesamtes Werk. Danke also, Richard, dass du uns die Texte zur Verfügung gestellt hast. Und vor allem, dass du tust, was du tust, und dass du bist, wie du bist. Dank auch an Horst Samson, der nicht nur die Verbindung zu Richard Wagner aufrechterhalten, sondern sich auch um die Zusammenstellung dieses Schwerpunkts gekümmert hat. Dank auch dem Institut für Kultur und Geschichte Südosteuropas in München für die Unterstützung und die Zusammenarbeit, die uns erlaubt, zu hoffen, dass in Zukunft weitere Projekte dieser Art zustande kommen.

Dankbar bin ich auch allen anderen Autoren, die den Schwerpunkt dieses Heftes mit schönen Beiträgen unterstützt haben, etwa Franz Heinz mit seinem Essay über „Die deutsche Seele“ oder György Dalos mit seinen Überlegungen zu „Richard Wagners Dilemma“ oder Olivia Spiridon und den Tübinger Studenten mit deren Stellungnahmen zu Richard Wagner am Rande eines Seminars im Wintersemester 2012/13.
Feiern wir also zusammen mit Richard Wagner den Sieg der Literatur und des gesunden Menschenverstandes auf fast 150 Seiten.

Blicke auf Brinkmann : Weiter und weiter machen in einer gu­ten Gegen­wart

Am 23. April 2015 jährt sich zum 40. Mal der Tag, an dem Rolf Dieter Brinkmann in London von einer Limousine erfasst und auf der Stelle getötet wurde – aus diesem Anlass lädt Theo Breuer Sie ein, „Blicke auf Brinkmann“ zu werfen mit dem Essay „Weiter und weiter machen in einer guten Gegenwart“. Boško Tomaševićs Gedichte runden „Die Welt und ihre Dichter“ ab, und Ulrich Bergmann setzt seine China-Fahrt fort und berichtet über „Mao Zedong – Der Lange Marsch und die Lyrik“. Klaus Martens, Horst Samson, Hellmut Seiler, Benedikt Dyrlich, Harald Gröhler, Ursula Teicher-Maier und Johann Lippet bestücken das „Atelier“ mit origineller Lyrik und Prosa. Die Rezensionen von Horst Samson, Wolfgang Schlott, Uli Rothfuss, Rainer Wedler, Gert Weisskirchen, Elke Engelhardt sowie sowie der Debütantin Julia Göricke nehmen neue Bücher unter die Lupe.
Nicht zuletzt informieren wir Sie, dass diese MATRIX-Ausgabe auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wird, wozu am 15. März, um 12.30 Uhr im Café Europa (Halle 4, Stand E 401) herzlich eingeladen sind.

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Ihr
Traian Pop

Es signiert:

• Hellmut Seiler • Horst Samson • Richard Wagner und die Folgen • Johann Lippet • Franz Heinz • Theo Breuer • György Dalos • Boško Tomašević • Klaus Martens • Benedikt Dyrlich • Ulrich Bergmann •  Olivia Spiridon • Elke Engelhardt • Edith Ottschofski • Ursula Teicher-Maier •  Harald Gröhler • Rainer Wedler • Wolfgang Schlott • Gert Weisskirchen • Uli Rothfuss •

 

Matrix 3/2015 (41) • Nikolaus Berwanger


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…Was würden wir rumänischsprachigen Schriftsteller / ohne die deutschsprachigen anfangen, / fragte sich Mariana Marin … (Wir sind frei), schrieb ich 1998, fünfzehn Jahre später.

Nikolaus Berwanger war damals für mich kein Unbekannter, aber er zählte nicht zu jenen, an die ich dachte, als ich am Schluss der Preisverleihung des Schriftstellerverbandes meinen Freund, den berühmten Literaturhistoriker und Kritiker Cornel Ungureanu, nach den nicht anwesenden deutschsprachigen Autoren fragte, ohne eine Antwort zu erwarten, denn allen war bereits klar, „dass die Deutschen uns für eine bessere Welt verlassen“: Den Anfang hatte doch schon der große Protektor Berwanger selbst gemacht. Ich war damals von den Texten der deutschen Kollegen begeistert – ohne Deutsch zu können –, da sie zum Großteil als Interlinearversionen für mich zugänglich waren. Dennoch wusste ich, dass sich hinter Berwangers prächtiger Gestalt, die mir ab und zu – dank meines Nebenjobs bei einer Literaturzeitschrift – über den Weg lief, viel mehr verbarg, als von außen zu sehen war: Mundartschriftsteller und höherer Parteifunktionär – echte Schimpfworte für uns, die wir gegen die Tradition und die Parteilinie schwammen –, dessen Position (mit den dazugehörigen Beziehungen) ihm ermöglichte, alles zu erledigen; ein Opportunist, der sowohl von den Deutschen (Westen inklusive) als auch von den Rumänen alles verlangte und bekam. Was für ein Kurzschluss, was für ein Irrtum!
Seine Texte sowie die Aussagen vieler Zeitzeugen, die Horst Samson – de facto Herausgeber dieser MATRIX-Ausgabe – hier gesammelt hat, bestätigen nun nicht nur, wie wichtig für mich und meine rumänischen, ungarischen, serbokroatischen Kollegen der Kontakt zu den deutschsprachigen war (lesen Sie dazu die Beiträge von Mária Pongrácz, Ildico Achimescu, Pia Brînzeu), sondern auch, dass ich ein besonders großes Glück gehabt habe, in der Nähe solcher Persönlichkeiten zu leben. Nun, da Nikolaus Berwanger in diesen Tagen 80 Jahre alt geworden wäre, versuchen wir – wie Richard Wagner, einer der besten Schriftsteller, die ich kenne, schreibt –, „etwas in Gang zu setzen“: „Es geht auch um die Lehren, die aus dem Blick auf das Leben eines Nikolaus Berwanger zu ziehen sind. Wenn ein Berwanger im Zeichen der Kontrolle und des Verbots etwas in Gang setzen konnte, so sollten auch wir, die wir jetzt im Zeichen der Verführung leben, der Manipulation, etwas bewegen können.“
Sie werden es uns bestimmt nachsehen, dass dieses Heft so umfangreich geworden ist – doch wenn wir alles, was wir zunächst sammelten, veröffentlicht hätten, wäre es mehr als doppelt so dick geworden. Wir hoffen, dass wir mithilfe der Texte von Nikolaus Berwanger, von den schon genannten beiden Autoren sowie von Karin Berwanger, Paul Schuster, Sigrid Eckert-Berwanger, Walter Engel, Eduard Schneider, Annemarie Podlipny-Hehn, Annemarie Schuller, Luzian Geier, Heinrich Lay, Hans Stemper oder Halrun Reinholz – neben Schriftstellern und Literaturwissenschaftlern haben sich auch Verwandte, Bekannte, Freunde und Leser zu Wort gemeldet – „etwas bewegen können“.

»Auswertung der Flugdaten« · Notizen zu Thomas Kling

Theo Breuer erinnert mit seinen „Notizen zu Thomas Kling“ an den vor zehn Jahren verstorbenen Dichter. Anlässlich von Axel Kutschs 70. Geburtstag am 16. Mai 2015 veröffentlichen wir – von Theo Breuer ausgewählt – sieben Gedichte aus „Versflug“, dem jüngst erschienenen neuen Gedichtband. Herzlichen Glückwunsch, Axel Kutsch! Und unser kürzlich gefeiertes Geburtstagskind Dieter P. Meier-Lenz stellt uns Lola vor: in einem Gespräch und acht Gedichten.

Daxue und Zhongyong – Die Große Lehre, Maß und Mitte

Mit „Daxue und Zhongyong – Die Große Lehre, Maß und Mitte“ sucht Ulrich Bergmann uns das von ihm erlebte China nahezubringen. Und Christine Kappe, Rainer Wedler, Eric Giebel, Wolfgang Schlott, Uli Rothfuss und Stefanie Golisch runden diese Ausgabe mit Essays und Bücherbesprechungen ab.

Am 13. April starb Günter Grass, kurz nachdem er es geschafft hatte, sein letztes Manuskript – keinen Roman, sondern ein Experiment, eine Mischung aus Prosa und Dichtung – „druckfertig“ zu haben. Der Abschied von einem deutschen Gegenwartsautor, der nicht nur mit seiner Literatur auch außerhalb Deutschlands für Wirbel gesorgt hat, erfolgte unterschiedlich – obwohl ausnahmslos unter dem Motto: „De mortuis nil nisi bene.“ Nun, da der politische Provokateur und künstlerische Workaholic nicht mehr da ist, bleibt uns – die wir ihn oft nur noch unter polemischen Stichworten von „Waffen-SS“ bis hin zu „Was gesagt werden muss“ und „Europas Schande“ wahrgenommen haben – zum Glück nichts anderes übrig, als seine Bücher erneut aufzuschlagen. Von der „Blechtrommel“, dem „Big Bang“ der deutschen Nach-kriegsliteratur, bis zu „Hundejahre“, seinem „ungelesensten“ Roman, wie Denis Scheck in einem Interview anmerkt: „Ich habe jedenfalls noch keinen Mitarbeiter des WDR getroffen, der weiß, dass das letzte Drittel von ,Hundejahre‘ im Wesentlichen von einem Redakteur des WDR handelt, der in Köln-Marienburg lebt und dort Talkshows moderiert. Und Grass war immer jemand, der sich der Medienwirklichkeit sehr früh bewusst war, und das auch literarisch reflektierte. Und lesen Sie mal das letzte Drittel der ,Hundejahre‘; das ist ein Roman über das Deutschland des Jahres 2015. Da kann man Gänsehaut bekommen.“
Schwer fällt uns auch, den Verlust von Hans Bender als unwiderrufliche Tatsache zu akzeptieren. Der Autor und Mitbegründer der renommierten Literaturzeitschrift „Akzente“ war zudem Herausgeber der „Konturen – Blätter für junge Dichtung“ sowie zahlreicher Anthologien, u. a. „In diesem Lande leben wir. Deutsche Gedichte der Gegenwart“ von 1978. „Das war das Logbuch, das war der richtungsweisende Band, wo man sich über die neueste Lyrikproduktion informieren konnte“, so DLF-Literaturredakteur Hajo Steinert.
Diese Ausgabe schließt mit zwei Texten von Theo Breuer im Gedenken an Hans Bender und Günter Grass.

Ihr
Traian Pop

• Horst Samson • Nikolaus Berwanger • Richard Wagner • Theo Breuer • Axel Kutsch • Dieter P. Meier-Lenz • Ulrich Bergmann • Karin Berwanger • Sigrid Eckert-Berwanger • Walter Engel • Eduard Schneider • Mária Pongrácz • Paul Schuster • Ildico Achimescu • Pia Brînzeu • Annemarie Schuller • Luzian Geier • Heinrich Lay • Annemarie Podlipny-Hehn • Hans Stemper • Halrun Reinholz • Christine Kappe  • Uli Rothfuss • Eric Giebel • Stefanie Golisch • Rainer Wedler • Wolfgang Schlott • Harald Gröhler • Rainer Wedler • Wolfgang Schlott • Gert Weisskirchen • Uli Rothfuss •

Matrix 4/2015 (42) • Hans Bergel

 

M_42 „… Was würden wir rumänischsprachigen Schriftsteller / ohne die deutschsprachigen anfangen, / fragte sich Mariana Marin … (Wir sind frei)“, schrieb ich 1998, fünfzehn Jahre später.

„In seinem Werk daheim“ Hans Bergel

Als ich diese Verse zu Papier brachte, dachte ich nicht an Hans Bergel, auch wenn ich ihn inzwischen kennengelernt hatte – indirekt, durch den ersten Übersetzer meiner Gedichte, Georg Scherg. Dies ist im vorliegenden Kontext natürlich unerheblich, und ich muss gestehen, dass ich ihn heute genauso wenig kenne wie sein Werk – denn die paar Bücher und Texte, die ich von ihm gelesen habe, ändern kaum etwas an dieser Tatsache. Allerdings war mir klar, dass sich eine MATRIX-Ausgabe unbedingt auch mit ihm auseinandersetzen sollte. Warum? Auf jeder Seite des über 250 Seiten umfassenden Teils zu Hans Bergel findet sich eine Antwort darauf – die bestimmt auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, entdecken werden: in den zahlreichen Gedichten und Prosastücken, in den Essays, Briefen, Tagebuchfragmenten und Privatfotos sowie Plakaten, Laudationes und Porträts, die um Hans Bergel kreisen.

„Mein Leitspruch, den ich mir seit Jahrzehnten täglich vorsage, gilt als sein berühmtester Satz. Er lautet – Sie wissen es –: ,Ich weiß, dass ich nichts weiß.‘ Das bedeutet für mich: Ich weiß, dass ich täglich von vorne beginnen und alles auf eine Karte setzen muss, ohne mir des Ausgangs sicher zu sein. Alles, was ich in meinem Leben wollte und über diese Stunde hinaus will, verstehe ich als Handwerker, dessen einziges Streben es ist, saubere Arbeit abzuliefern. Als ein Handwerker an der unbeschreiblich schönen deutschen Sprache.“

So Bergel über Bergel.

Dass – wie Horst Samson, der unermüdliche Redakteur des Schwerpunktes Hans Bergel, sein Geleitwort beendet – „,der Mann ohne Vaterland‘ […] nicht wirklich unbehaust, sondern […] buchstäblich in seinem Werk daheim [ist]“, ahnte ich bereits. Nun sehe ich mich also aufgefordert, ihn zu Hause in seinem Werk zu besuchen. Eingeladen hat er uns schon immer.

Besucht haben ihn auf jeden Fall einige unserer Zeugen seines Weges: Horst Samson, Peter Motzan, Ana Blandiana, Katharina Kilzer, Siegbert Bruss, Peter Paspa, Susanne Schunn, Leonid Balaclav, um nur einige zu nennen. Sonst hätten wir diese Ausgabe gar nicht zusammenstellen können.

In diesem Heft möchten wir Balthasar Waitz zum sechzigsten Geburtstag gratulieren mit einer kleinen Auswahl aus seinen sehr eindrucksvollen Gedichten sowie einem Essay von Cosmin Dragoste keiner hört sie keiner sieht sie über ihn und sein Werk.

Nikolaus Berwanger wäre in diesem Jahr achtzig geworden. Ergänzend zu unserer ihm gewidmeten Ausgabe (Nr. 41) veröffentlichen wir hier noch einen Essay über ihn von Cornel Ungureanu, einem der renommiertesten rumänischen Literaturkritiker.

…wohl nicht sein „letztes Gedicht“ Dieter P. Meier-Lenz

Am 01.07. starb Dieter P. Meier-Lenz, kurz nachdem er uns seine letzten Texte zur Veröffentlichung angeboten hat, die in der vorherigen Ausgabe erschienen sind. In dieser Ausgabe gedenken wir seiner mit einem Gedicht aus seinem letzten Band („hirnvogel. Ausgewählte Gedichte 1990–2014“. Mit 7 Zeichnungen von Brigitte Kühlewind Brennenstuhl, Pop Verlag, 2014), das mit folgenden Versen schließt:

„kein inhalt und ohne gewicht
und schon im entstehen zersprungen
so endet mein letztes gedicht“

Es war wohl nicht sein „letztes Gedicht“, sondern eines der letzten. Wir trauern um ihn – voller Dankbarkeit, ihn unter uns gehabt zu haben –, und nehmen uns vor, sein Werk weiterhin bekannt zu machen. Dazu trägt ein Text von Andreas Noga bei, der ihm – wie viele von uns – nahegestanden hat.

Politische Cartoons in Maos China

Mit seinem Beitrag „Politische Cartoons in Maos China“ führt Ulrich Bergmann eine weitere Facette des fernöstlichen Staates vor Augen. Unser „Atelier“ bietet diesmal Essays, Aphorismen, Gedichte und Prosa von Maximilian Zander, Stefanie Golisch, Franz Hofner, Katja Kutsch, Raluca Naclad und Herwig Haupt. Buchbesprechungen von Katharina Kilzer, Elke Engelhardt, Wolfgang Schlott, Andreas Rumler und Stefanie Golisch runden diese schon wieder überbordende Ausgabe ab – und eine Nachricht, die uns gerade aus Rumänien erreicht hat: Unsere Chefredakteurin Francisca Ricinski wurde zum „Botschafter der Poesie“ ernannt. Wir gratulieren und freuen uns schon auf ihre nächsten Beiträge!

Ihr
Traian Pop

Es signiert:

• Horst Samson • Hans Bergel • Peter Motzan • Dieter P. Meier-Lenz • Ana Blandiana • Renate Windisch-Middendorf •Peter Paspa • Cornel Ungureanu • Balthasar Waitz • Ulrich Bergmann • Cosmin Dragoste • Andreas Noga • Maximilian Zander • Stefanie Golisch • Franz Hofner • Katja Kutsch • Raluca Naclad • Herwig Haupt • Katharina Kilzer • Elke Engelhardt • Andreas Rumler • Wolfgang Schlott •

 

Matrix 2/2014 (36) • Axel Kutsch spannt Versnetze übers Wortland

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Europa, ah, meine offene Wunde … Jahrelang habe ich von Europa geträumt. Jahrelang hat mich umgetrieben, dass die meisten Einwohner der EU nicht wissen oder nicht wissen wollen, dass Europa nicht an den Grenzen der EU endet, und sich damit schwertun, dass ein Rumäne, Bulgare, Ukrainer, Georgier oder Russe nichts anderes als ein ganz normaler Europäer ist, auch wenn er nicht in den privilegierten Teil Europas reisen kann bzw. darf. In einem Teil dieses nicht privilegierten Europa kochen nun wieder Ambitionen, Träume, Ideen, Interessen guten oder weniger guten Willens hoch – wie auf dem Basar oder noch schlimmer, auch wenn uns West-Europäern dieses Wort nicht gefällt.  Alle sprechen heutzutage über die Ukraine.

Die Kunst der „Friedensstifter“

Ehrlich gesagt, sollte ich als gebürtiger Rumäne und fast bedingungsloser Unterstützer der europäischen Idee sowie als deutscher Verleger und Redakteur auf der West-Seite stehen. Weil z. B. ein großer Teil Rumäniens von Russland okkupiert wurde (als Folge eines ehemaligen deutsch-russischen Abkommens) und bis heute noch nicht zurückgekehrt ist; oder weil ich immer noch die Zerstörung Jugoslawiens als Zerstörung eines Teils von Europa verstehe. Wenn ich aber die Geschichtslektion einer Politikerin höre, die demnächst den Stuhl des mächtigsten Präsidenten der Welt einnehmen will – was unter Umständen geschehen könnte –, wird mir schwindlig. Genauso, wenn ich mich mit der Kriegsrhetorik fast aller Friedensakteure konfrontiert sehe: von den Friedensnobelpreisträgern Barack Obama und EU über einige Regierungschefs europäischer Länder bis zu Putin (der wahrscheinlich diese Medaille auch unbedingt in seiner Vitrine haben will und kapiert hat, dass dies nur durch Friedenswillen oder -akte nicht zu erreichen ist). Ach, diese Friedensstifter, die überall in der Welt potenzielle Brandstifter suchen, um ihnen Streichhölzer jeder Art zu schenken. Ach, diese Friedensstifter, die bereit sind, selbst Feuer zu legen, wenn sich kein potenzieller Brandstifter finden lässt. Nicht umsonst natürlich: „Gewinner“ gibt es immer, auch wenn hinterher keiner von ihnen etwas mit dem selbst angerichteten Chaos zu tun gehabt haben will. Es reicht manchmal – wie bei einem Kinderspiel –, der Reihenfolge von Ursache und Wirkung zu folgen, um herauszufinden, wer und was … Wer aber will das ehrlich?

Literatur und Kunst am Scheideweg

Wohin, in dieser Konstellation, mit der Literatur? Wohin mit der Lyrik? Unser Vorhaben wirkt manchmal extrem, weil es sich um ein Gleichgewicht von Tradition und Avantgarde, von Respekt gegenüber unserem Kulturerbe und kritischem Geist bemüht. Was gerade passiert, kann aus vielen Gesichtspunkten als tragisch aufgefasst werden, aber es gibt auch berechtigte Gründe, nach vorn zu schauen. Es stimmt, man schreibt heutzutage viel ( allein schon gemessen an dem, was ich täglich an Post bekomme) und liest wenig(er) oder kaum noch (gemessen an dem,  was ich als Verleger verkaufe). Die junge Generation lebt in einer Zeit von Copy & Paste zwischen okay und Cool und wird am Arbeitsplatz von „Spezialisten“ für das Führen/Unterdrücken/Überwachen anderer Menschen getrimmt. Niemand will mehr wahrhaben, dass es auch Bereiche gibt, wo normalerweise die Wirtschaft und Politik draußen vor der Tür bleiben müssen. Dem Geld reicht es jetzt nicht mehr, nur zu regieren, es will dafür auch gelobt werden.

Ein kleiner Text bringt große Hoffnung

Dennoch, gibt es auch etwas anderes. Erlauben Sie mir zu zitieren: „Lieber Traian, habe soeben noch mal die Seiten für die BAWÜLON-Sonderausgabe durchgelesen und bin Dir unendlich dankbar, dass Du mir mit dieser wunderbaren Idee auf die faule Haut gerückt bist. Der Gott, an den ich glaube, ist ein BESONDERER. Aber er hat Dich als Motorengel geschickt, um mich in die Gänge zu bringen. Hoch und lang soll er leben, wo immer er sich aufhält und versteckt … Wie das heute in diese terroristisch geprägten Zeiten so reinpasst, habe ich auf Dich einen Anschlag vor. (…) Das ist – wenn ich die Familie ausblende – mein größter Wunsch in diesem Frühjahr, neben der Hoffnung, dass FRIEDEN bleibt, trotz einiger unverständlich kriegstreiberischer Medien, einiger verrückter (NATO)Politiker und der zwei irren Präsidenten, der eine weiß, der andere schwarz.“  Das hat mir ein Autor zu BAWÜLON Nr. 2/2014 geschrieben – ich kann Ihnen das Heft nur empfehlen, es ist tatsächlich eine (BE)SONDERAUSGABE.

Lyrik: Literatur der kleinen Auflage

Auch der thematische Schwerpunkt einer Zeitschrift für Literatur und Kunst kann durchaus dazu dienen, den Finger in eine brennende Wunde zu legen. Wenn aber das Thema die Grenzen der Berichterstattung sprengt und auf die Straße in die Mitte der Gesellschaft springt, zeigt es seine wahre Brisanz – aus kultureller, sozialer wie auch politischer Sicht. Dazu könnte man von vornherein die Auswahl unseres Wiederholungstäters Theo Breuer rechnen: eine Auswahl, die nicht nur mit der Dimension des Phänomens namens Axel Kutsch überrascht, sondern auch mit seiner ungewohnten Art konfrontiert, „wie ich es alles sehe“, „wer-was sagt/schreibt/meint“. Der Vermittler „eines breiter gefächerten Bildes unserer aktuellen Poesie“ (aus dem deutschen Sprachraum), der die „Vernetzung der Generationen“ spannend findet und feststellt, „dass die Poesie älterer Jahrgänge genau so frisch und anregend ist wie die junger Talente“, macht kein Geheimnis aus der Tatsache, dass er als Herausgeber genau weiß, dass nicht nur die Genies knapp sind – „Das war schon immer so“, merkt er an –, sondern auch, dass es sich beim Genre Lyrik um „ein Nischenprodukt“ handelt, „das sich wirtschaftlich nicht mehr lohnt“, dass also Lyrik nach wie vor die Literaturgattung der kleinen Auflagen ist. „Lyrik wird heute in erster Linie in Kleinverlagen veröffentlicht – eine oft selbstausbeuterische Angelegenheit von ,Überzeugungstätern‘, deren Zahl in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Mit ihrem Engagement haben sie maßgeblichen Anteil daran, dass man wieder von einer Blüte in der deutschsprachigen Poesie reden kann. Allerdings sollte man sich nichts vormachen: „Die breite Öffentlichkeit nimmt keine Notiz davon“, sagt er im Interview. Und: „Wer sich als Autor und Herausgeber ausschließlich der Lyrik widmet, muss schon fahrlässig naiv sein – wenn er mit einem großen Publikum rechnet.“ „Er schrieb Gedichte/ für eine bessere Welt./ Sie wurde nicht besser, sein Werk gefällt …“

Boten von Literatur, Kunst und Kultur

Man kann nicht ansatzweise von Lyrik leben, aber man kann wunderbar mit Lyrik leben. Axel Kutsch wird dieser Tage 69 – „eine rundum runde Zahl, eine Zahl zum Lieben schön“, schreibt Theo Breuer, der nicht nur den Autor Axel Kutsch, seine Texte und Anthologien kommentiert, sondern auch seiner persönlichen Beziehung zu Kutsch, Kutsch-Texten und Kutsch-Anthologien nachgeht. „Es ist eine Fama, dass Gedichte im zeitgenössischen Leben moderner Menschen kaum eine oder gar keine Rolle spielen. Das Gegenteil ist der Fall: Buchstäblich überall begegne ich attraktiven Wörtern, Reimen, Sprüchen, Zweizeilern, Vierzeilern. SMS-Botschaften vor allem junger Menschen geraten immer wieder zu verblüffend lyrisch verdichteten Kurzsequenzen …“ Lassen Sie sich verführen, liebe Leserinnen und Leser, von den mehr als 100 Seiten dieses Marathons, der hier Axel Kutsch gewidmet ist. Und dazu noch von Beiträgen von Hans Bender, Katja Kutsch, Katharine Coles, Ulrich Bergmann, Gabriele Frings, Traian Pop Traian, Hendrik Zinkant, Susanne Schmincke, Bernd Marcel Gonner und Vougar Aslanov. Die Debütanten Wanda Wälisch, Rene Magnet und Fabian Bohl stellen sich mit ersten Texten vor. Und Dieter Mettler, Christoph Leisten, Ulrich Bergmann, Wolfgang Schlott, Rainer Wedler, Gabriele Frings, Marcel Faust, Edith Ottschofski und Christine Kappe haben für Sie einige an die Redaktion geschickte Bücher sorgfältig unter die Lupe genommen. Zum guten Schluss: Anlässlich der WM in Brasilien hat Theo Breuer einen Essay geschrieben, der elfstimmig anklingen lässt, wie eng Fußball und Lyrik zusammenhängen.

Eine abwechslungsreiche Lektüre wünscht Ihr Traian Pop

Es signiert:

• Katja Kutsch • Katharine Coles • Hans Bender • Theo Breuer • Axel Kutsch • Christine Kappe • Ulrich Bergmann • Gabriele Frings • Rainer Wedler •  Uli Rothfuss • Susanne Schmincke • Dieter Mettler •  Christoph Leisten • Edith Ottschofski • Klaus Martens • Vougar Aslanov • Bernd Marcel Gonner • Marcel Faust • Dieter Mettler • Hendrik Zinkant • Traian Pop Traian • Wolfgang Schlott • u.a.

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MATRIX 1/2014 (35) • Mit und über Dato Barbakadse

 

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Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Der teuerste Autor, den ich jemals veröffentlicht habe, ist einer – das muss ich vorausschicken –, der mich „verführt“ hat: Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahren einer Person begegnet zu sein, die so charmant und vor allem so arglos wirkte. Sein Manuskript stand meinen Auffassungen und Ansichten teilweise entgegen: nicht unbedingt vom Inhalt her, trotz großer Meinungsverschiedenheiten zwischen Verleger und Autor, sondern von der Haltung her, von der Art des Umgangs mit eini-gen Personen. Als ich den Vertrag aufsetzte, fiel es mir ehrlich gesagt schwer, mir vorzustellen, wie dieser Band zwischen den anderen Titeln des POP-Verlags einen Platz finden könnte, doch ging ich davon aus, dass der Verkauf des Buches zumindest die Druckkosten decken würde. Dem Autor allerdings schwebte vor, dass sein Werk lediglich in 200 Exemplaren aufgelegt werden sollte, die er zudem selbst verteilen bzw. verkaufen wollte, und zwar nur an bestimmte Personen. Was mich betrifft, muss ich zugeben, dass mir – egal ob als Autor oder als Verleger – noch nie durch den Kopf gegangen ist, ein von mir veröffentlichtes Buch könnte in falsche Hände geraten. Und ich kann mir auch jetzt nicht vorstellen, wie ein Autor tickt, der sein Werk von höchstens 200 ausgewählten Personen gelesen wissen will. Doch kann man einen Verlag, der nur 200 Exemplare eines Titels druckt, überhaupt Verlag nennen? Und kann man einen Autor, der nur 200 Exemplare seines Werkes drucken lässt, um es selbst zu verteilen, überhaupt als Schriftsteller bezeichnen? Schade eigentlich, dass ich darauf so viel Zeit, Energie und Geld verschwendet habe – lieber hätte ich eine Ausgabe von MATRIX mehr herausgebracht.

Schreiben für den Elfenbeinturm?

Andererseits aber kann mich kein Verlust daran hindern, meinen teuersten Autor weiterhin zu mögen und ihm nur das Beste zu wünschen. Das versuchte ich ihm immer wieder zu vermitteln und ich bin mir sicher, er hat sehr wohl verstanden, was ich meinte, es aber nie gezeigt – wer weiß warum. Als eine von uns beiden sehr geschätzte Autorin starb, sagte er mir: „Na ja, Traian, möge Gott sie in Frieden ruhen lassen, nachdem sie nun das Fegefeuer hinter sich hat – wie auch wir anderen, die schreiben, da durch müssen.“ Jetzt, wo er alles von ferne sieht, will ich ihm noch einmal für seine eigensinnigen Worte und Taten danken und ihn bitten, mir zu vergeben, dass ich nicht immer in der Lage war, seine Signale ohne Weiteres zu verstehen.
Es gibt – und das ist auch gut so, meine ich – Literaturen und Literaturen, Autoren und Autoren, Verlage und Verlage, Zeitschriften und Zeit-schriften. Denn zwischen, sagen wir, einem Autor, der nur an sein Werk denkt, und einem, der mehr an seinem Image und Erfolg arbeitet, lässt sich – nicht immer, aber immer wieder – ein komischer Unterschied feststellen: Während der Letztere nie kapituliert, begeht der Erstere quasi Selbstmord, indem er sich in einem Elfenbeinturm einmauert, aus dem er nur dann heruntersteigt, wenn nichts mehr geht oder der Zufall, das Glück bzw. ein Mäzen ihm gewogen ist. Lauter vielversprechende Geschichten, aber mit einer kaum beleuchteten Kehrseite … Na ja, jeder stirbt auf seine eigene (Sprech-)Weise und für sich allein.

Dato Barbakadze – Ein Leben für die (deutsche) Literatur

Und nun zu unserer jetzigen Ausgabe, zu der ich mit zwei Zitaten überleiten möchte. „Sie funktionieren alle nicht – weil niemand den Mut hat, wirklich zu helfen“, meinte Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt zu den Euro-Rettungsmechanismen. Und unser Autor Dato Barbakadze äußerte zu seinem Leben als Schriftsteller: „Ich denke nicht selten, was wäre, wenn nicht meine Freunde neben mir stünden, die meine Texte schätzen und ein starkes Gerechtigkeitsgefühl haben. Die relative Ruhe, die ich zurzeit genieße (ich weiß nicht, wie lange sie andauern wird), ist nicht durch die Logik der Entwicklung der georgischen Kultur verursacht, sondern dank meiner Freunde.“ Danke, Dato, und Dank auch an deine wie an meine Freunde, die uns erlauben zu hoffen, dass unsere literarische Welt besser ist/wird als die heutige Europäische Union.
Dato Barbakadze lebt in Europa, genauer gesagt in Georgien, und ist nicht nur ein hervorragender Dichter, sondern auch ein richtiges Arbeitstier: Er beutet sich selbst aus (klingt bekannt, oder?), um die deutsche Literatur in Georgien bekannt zu machen. Inwieweit aber der deutsche Literaturbetrieb oder die georgischen Literaturliebhaber ihm dabei behilflich sein werden, ist noch offen. „Das Interesse für das Projekt (Österreichische Lyrik des 20. Jahrhunderts in dreißig Bänden, davon elf schon veröffentlicht, als Teil eines größeren Traums: Die deutschsprachige Lyrik des 20. Jahrhunderts in achtzig Bänden, Anm. d. Red.) ist in literarischen Kreisen Georgiens sehr hoch. Das betrifft die Hochschulen und die junge Generation. Ich verdiene daran nichts, ich verschenke die Neuerscheinungen der Reihe immer an staatliche Bibliotheken in Georgien oder leihe sie einzelnen interessierten Menschen aus. Es funktioniert also ein illegales Bibliothekssystem für diese österreichische Reihe“, so Dato Barbakadze. „Für einen Dichter gibt es eine einzige Moral: seiner Heimat, also der Kunst, treu zu bleiben und durch die Arbeit zu versuchen, einen Ort in dieser Heimat zu finden“, schreibt er an anderer Stelle. Und: „Die verschiedenen Sektoren des kulturellen Lebens, jede Art der totalen Unrationalität und jede ekelhafte Fiktion wird immer durch die instabile politische Lage erklärt.“ Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann freuen wir uns, Ihnen mehr als achtzig Seiten mit und über Dato Barbakadze ankündigen zu können.

Kulturzentren, großen Musikern und der Lyrik unserer Zeit

„Die Welt und ihre Dichter“ bringt neue Texte von PAPI Emilian Roş-culescu, der sich seit 2009 um Aufbau und Betreuung eines Kultur-zentrums „Auf dem Berg der Wölfe“, wie er selbst sagt, im Banater Berg-land in Rumänien kümmert, sowie Texte von der französischen Seite der Pyrenäen, wo uns Dieter P. Meier-Lenz „am bildrand des morgens“ teilhaben lässt. Gedichte von Maximilian Zander und ein Auszug aus dem Roman „Auch die Brombeeren haben keine Bedeutung mehr“ von Rainer Wedler runden den literarischen Teil ab. Und mit „Welt-Atems Schwellgesang“ von Ulrich Bergmann feiern wir den 200. Geburtstag Richard Wagners.
Wie versprochen, berichtet Benedikt Dyrlich über die Proteste von 1988, als es um die Erhaltung osteuropäischen Kulturgutes ging. Lesen Sie also ab Seite 123 „Gegen Raubbau und Umsiedlung. Hintergrund eines Protestes“ und ab Seite 135 „Klitten bleibt stehen“.
Ines Arnemann schmückt mit ihren Zeichnungen nicht nur Bücher (u. a. den frisch erschienenen Band „in der falle“ von Benedikt Dyrlich), sondern auch unsere MATRIX-Ausstellung.
Theo Breuer stellt mit „Nahtwort Tatort. Ein Satz zu Lyrik und Prosa im deutschen Sprachraum 2013“ sein literarisches Lesejahr vor. Und mit den Rezensionen von Wolfgang Schlott, Andreas Noga, Rainer Wedler und Francisca Ricinski, dem Essay von Sander Wilkens, der diesmal unsere Rubrik „Kunstparkett“ bestreitet, sowie unserem Forum, das den Unter-stützern der Briefe des Sorbischen Künstlerbundes an Bundeskanzlerin Merkel und Wirtschaftsminister Gabriel gilt – wie auch all jenen, die noch nicht dabei sind –, endet die Reise dieser MATRIX-Ausagabe.
Zum Schluss laden wir Sie herzlich ein, den Ausstellungsstand und die Veranstaltungen unseres Verlags auf der Leipziger Buchmesse zu besuchen. Wir sind wie immer in den letzten Jahren ganz leicht zu finden: in Halle 4, gegenüber dem „Literaturcafé“.
Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr Traian Pop

Es signiert:

• Ludwig Legge  • Lyn Coffin • Dato Barbakadse • Oguz Tarihmen •
• Ulrich Bergmann • Dieter P. Meier-Lenz • PAPI Emilian Rosculescu •
• Rainer Wedler • Ines Arnemann • Benedikt Dyrlich • Andreas Noga •
• Uli Rothfuss • Dominik Irtenkauf •  Maximilian Zander • Theo Breuer •
• Sander Wilkens • Sam Hamill •  Francisca Ricinski • Wolfgang Schlott •

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Matrix 3-4/2013(33-34) • Mit und über Thomas Lux

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich habe die letzten zwei Monate meinem Arbeitsplatz fern bleiben müssen und dabei versucht, gründlich zu überlegen, wie es weitergehen soll/kann. Eine fiese Krankheit, die alles in die Luft sprengt, die keine Regeln, Normen, Grenzen kennt.Auf einmal ist alles anders, als es war, auf einmal denkt man nicht mehr an „was und wie“, sondern an „ob und wann – wenn überhaupt“ … „Es war knapp, aber ich habe es geschafft“, hätte ich dazu noch anmerken wollen …

Dass die schlimmste Niederlage als Sieg verkauft wird,meist erfolgreich, steht natürlich in Zusammenhang mit den Herrschaftsstrukturen und – kulturen aller Zeiten. Genauso wie die Tatsache, dass sich hinter einem gewaltigen Sieg oft eine verdammt große Niederlage versteckt, nicht nur zur Kunst unserer Tage gehört.

Kommerzialisierung Literatur und Kunst

Was aber kann ich als Kleinverleger, der sich Sorgen um sein sowieso bedrohtes Unternehmen macht, damit anfangen? Ich kenne keine Statistik, in der die heutige Verlagslandschaft nach Zahlen sortiert wird, denke aber, dass es hier ähnlich aussieht wie auf

dem„freien Markt“, wo immer weniger „Mega-Unternehmer“ einen immer größeren Anteil des Gesamtumsatzes erwirtschaften. Das wundert mich genauso wenig wie die Tatsache, dass in den Literatur-Bestsellerlisten kein einziger Nobelpreisträger zu finden ist, während gleichzeitig jeder X-Beliebige, der ein paar Seiten geschrieben hat, von unzähligen „Dienstleister-Verlagen“ gegen Zahlung veröffentlicht wird. Hinzu kommt der ganze Müll, der das Internet überschwemmt, sodass der Leser kaum noch eine Möglichkeit hat, diese ausufernde Produktion zu sortieren, um an jene Literatur heranzukommen, die diesen Namen wirklich verdient. Gegen die Aggressivität und Arroganz solch kosten- wie bodenloser Angebote, die sich selbst als demokratisch verstehen, ist leider immer noch kein Kraut gewachsen.

Leben von, nicht für die Literatur

Und mittendrin: die Autoren, die noch hoffen, entdeckt zu werden, und diese Welt nicht mehr verstehen, wenn etwa während eines Festakts ein paar Lieblinge der Massenmedien mit ein paar Kulturfunktionären vor ein paar hundert Zuschauern, Vertretern der Presse, der Radio- und Fernsehsender plaudern und sich einen Ehrentitel daraus basteln, dass sie sich nicht erinnern können, in den letzten Jahren ein Buch gelesen zu haben, selbst wenn sie ihren Job und Ruhm eigentlich einer Buchpublikation verdanken. Mehr noch, dass sie in der Lage seien, viel mehr fürs Buch zu tun als jene, die täglich lesen. Klar könnten sie mehr tun, weil sie am Zapfhahn mitdrehen, während die anderen nicht einmal hinschauen dürfen. Ob das so in Ordnung ist, lasse ich jeden für sich beurteilen. Ich frage mich aber, wieso ausgerechnet solche „Funktionäre“ in der Lage sein sollten, einemKind oder Jugendlichen zu erklären, wie wichtig die Literatur für sein Leben ist. Und wie ein Kleinverleger die Literatur seiner Autoren bekannt machen kann, wenn die möglichen Rezipienten andauenrd von einem professionell organisierten medialen Lobby-Chor beschallt werden? Und was ein Kleinverleger tun kann, wenn einer seiner Autoren endlich von einem „richtigen“ Verlag – der ihn jahrelang ignoriert hat – unter Vertrag genommen wird? Natürlich freue ich mich, ich weiß, er wird dort bessere Vermarktungsbedingungen haben, aber das hilft mir nicht. Im Gegenteil, ich verspiele damit e

ine Chance.

Konsumkultur statt Qualitätsliteratur

Das System ist pervertiert und absurd. Das erinnert mich an die warnenden Worte einiger Persönlichkeiten dieses Landes bei der Einführung privater Fernsehsender: „Wir dürfen nicht in Gefahren hineintaumeln, die akuter und gefährlicher sind als die Kernenergie“ (Helmut Schmidt), „Für schöpferische Zeitgenossen sehe ich keine Chance“ (Günter Grass) oder „Ich kannmir nichts Gefährlicheres für die Familie vorstellen“ (Hans-JochenVogel).

Die Menge anmerk/fragwürdiger „Konsumkultur“, die von den diversen Medien und Lobbys angeboten wird, macht mich krank. Das viele Geld macht alles kaputt – es geht schon lange nichtmehr umLiteratur, sondern um Marketing und Branding. Andererseits macht auch das fehlende Geld alles kaputt. Der Verleger, der sich, statt eine eigene Haltung zu entwickeln, nach den Regeln von Konsumgesellschaft und Kapitalakkumulation verhält, scheint aber immerhin eine Chance zu haben, irgendwann a

uch gute Literatur zu veröffentlichen. Doch was in der Wirtschaft und im Sport funktioniert, passt nicht unbedingt für Geschäftsleute, die das Buch als gewinnbringendes Objekt entdeckt haben.Und das ist unsere Chance.Wir, die Verrückten, die von vornherein ohne merkantile Hintergedanken die Literatur als Hauptziel unseres Geschäftsmodells gewählt haben, können davon profitieren.Auch wenn dieser „Profit“ u. a. mit dem Verzicht auf einen großen Teil des Privatlebens, mit (Selbst-)Opferbereitschaft und Geduld verbunden ist. Dazu gehören natürlich auch eine eindeutige Gesetzeslage, die unsere Politiker uns immer noch schuldig geblieben sind, sowie eine Instanz, die in der Lage wäre, die kleinen und großen Gauner, dieAutorenrechte missachten (von Google über NSAbisAmazon & Co.), zu zwingen, die Spielregeln, insbesondere das Copyright, zu respektieren. Sonst ist, auf gut Deutsch, alles nur geklaut oder, mit Dylan gesprochen, „blowing in the wind“.

Gemeinsam für die Literatur

Ehrlich gesagt, habe ich aber andere Probleme.Was für mich momentan am wichtigsten ist, heißt überleben – wie auf allen anderen Märkten notwendig, muss auch ein Kleinverleger zuerst die Überlebenskunst lernen. Dazu gehören, neben guten Autoren und einem guten Mitarbeiter-Team, vor allem SIE, liebe Leserinnen und Leser, weil alles, was wir tun, erst durch Sie, durch Ihr Interesse lebendig wird. Ohne Sie wäre alle Mühe umsonst, da zumindest ich nie von einer sogenannten geschlossenen Gesellschaft geträumt habe, auch wenn einige wichtige literarischeWerke auf den ersten Blick nur für einen kleinen Kreis von Lesern geschrieben zu sein scheinen. Diese übrigens wunderbaren Autoren haben einfach die Zeiten überdauert. Deswegen bitte ich Sie, uns an der Qualität unserer Beiträge zu messen. Auch werden wir versuchen, unsere Erscheinungstermine einzuhalten und gleichzeitig unser Erscheinungsbild zu erneuern. Dazu brauchen wir aber auch Sie und ich kann Ihnen nur versichern, dass wir uns sehr freuen, wenn Sie uns Ihre Wünsche oder V

orschläge mitteilen.

Bedroht: Sorbische Kultur

Die sorbische Dichtung und Kunst rückt erneut ins Augenmerk unserer jetzigen Ausgabe. Denn nicht nur ihre Geschichte – vom ältesten erhaltenen sorbischen Text (Bautzener Bürge

reid, 1532) über die Reformation, die den Beginn der sorbischen Literatur markiert, und die Entwicklung des Nationalgefühls im 19. Jahrhundert bis zur Unterdrückung während des Nationalsozialismus oder der Förderung im Sinne des „Aufbaus d

es Sozialismus“ zu DDR-Zeiten –, sondern vor allem ihre Bedeutung für die deutsche Kulturlandschaft gehört immer wieder hervorgehoben, in der Hoffnung, dass unsere Angst um das sorbische Kulturerbe auch die Politiker sensibilisieren wird. Nicht wenige heutige Abgeordnete haben einst gegen die Zerstörung von Orten und Kulturen in der damaligen DDR, in der Ukraine, in Polen, in Rumänien etc. aufbegehrt. Doch genau das passiert jetzt in einem Teil Deutschlands. Man könnte sagen: Was die Kommunisten nicht komplett zugrunde gerichtet haben, erledigen nun die „vereinten demokratischen Kräfte“. Sogar im Bereich Klima- und Naturschutz. Des

wegen veröffentlichen wir zwei Briefe, die vor kurzem von besorgten Repräsentanten der sorbischen Minderheit an Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie an Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel geschickt wurden. Und gerne würden wir in einer der nächsten Ausgaben auch deren Reaktionen darauf publizieren.Wir hoffen, dass dieser Appell

gehört und richtig verstanden wird – genauso wie 1988, als es um die Erhaltung osteuropäischen Kulturgutes ging. Mehr über den damaligen Protest können Sie in unserer nächsten Ausgabe erfahren.

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Qualität in der Vielfalt

Unser Schwerpun

kt liegt diesmal auf den USA: Thomas Lux. Kein Autor,

der die Leser „auf seine Seite ziehen möchte, der eine umfassende Weltsicht oder gar ein literarisches Programm zu verkünden hätte, sondern einer, der sich von derWirklichkeit, so wie sie wirklich ist, nicht unterjochen lässt und den Leser automatisch dazu ermuntert, es ihm gleich zu tun“ (Stefanie Golisch).

Diese Doppelausgabe schmückt sich mit Werken von und über Mohammed Bennis, Fouad El-Auwad, den syrischen Dichter Adonis, Jewgenij Jewtuschenko, Ulrich Bergmann, Francisca Ricinski, Kira Iorgoveanu-Mantsu, Theo Breuer, Heinz Küpper, J. C. C. Bruns, Lutz Rathenow, Reiner Kunze, Andreas Noga, Julietta Fix, Harald Gröhler, Peter Ettl, Adelheit Szekeresch, Steliana Huhulescu, Thomas Brandsdörfer, RainerWedler, Julia Schiff, Robert Schiff, Elke Engelhardt, Sabine Bentler und EvaWieting, um nur einige zu nennen. Und unsere Debütanten Annabell Jimenez und Melanie Hassel stellen eine frische, vielversprechende Prosa vor.

Fred Viebahn schreibt uns wieder aus den USA über einen „neuen Star am Firmament der amerikanischen Politik“ und natürlich fehlen auch diesmal die Rezensionen nicht: Theo Breuer, Elke Engelhardt,Wolfgang Schlott,Gabriele Frings,Barbara Zeizinger,RainerWedler, LutzRathenow, Uli Rothfuss und Christoph Leisten haben für Sie einige an die Redaktion geschickte Bücher sorgfältig unter die Lupe genommen. Nicht zuletzt sei auf Uli Rothfuss und Ulrich Bergmann verwiesen, die für uns die Künstlerin Daniela Papadia bzw. die Biennale 2013 in Venedig besucht haben. Die Berichte können Sie in der Rubrik „Kunstparkett“ ab S. 300 Eine angenehme, spannende Lektüre – und ein gutes Jahr 2014!

Ihr Traian Pop

Es signiert:

• Stefanie Golisch • Thomas Lux • Klaus Martens • Thomas Lux • Lee Brewer • Mohammed Bennis • Fouad El-Auwad • Fouad El-Auwad • Jewgenij Jewtuschenko • Ulrich Bergmann • Ulrich Bergmann • Francisca Ricinski • Kira Iorgoveanu-Mantsu Theo Breuer • Theo Breuer • Willi F. Gerbode Marc Behrens Fred Viebahn Lutz Rathenow Ulrich Bergmann Andreas Noga Julietta Fix • Harald Gröhler • Peter Ettl • Adelheit Szekeresch • Steliana Huhulescu • Thomas Brandsdörfer • Rainer Wedler • Julia Schiff • Robert Schiff • Elke Engelhardt • Sabine Bentler • Eva Wieting Annabell Jimenez Melanie Hassel Elke Engelhardt Barbara Zeizinger Wolfgang Schlott Gabriele FringsUli Rothfuss Christoph Leisten

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