MATRIX 3/2021 (65)_Zeitschrift für Literatur und Kunst

  Was kann ich tun, Gott, um nicht mehr dem nachzuweinen, was war bzw. nicht war oder von dem ich meine, dass es nie sein wird, um mich endlich darauf zu konzentrieren, was mir das Leben bietet – das denke ich gerade und bin sicher: Dieser Gedanke wird nicht so einfach umzusetzen sein.
Irgendwie will ich mit Ihnen meine Freude teilen, die ich am
19. November 2021 im Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf er-
lebt habe. „Sehr geehrte Mitglieder der Jury des Andreas-Gryphius-
Preises, liebe Poesiekollegen, liebe Leser“, so ging es los. „Mamă, tare începe – wow, wie stark“, schreckte ich in der darauf folgenden rheto­rischen Pause während meiner Dankesrede hoch und fuhr fort: „Ich weiß nicht, wie ich die Aufregung ausdrücken soll, die ich empfand, als mich die wundervolle Nachricht erreichte, dass ich in Düsseldorf den Andreas-Gryphius-Preis erhalten werde. Um zu verstehen, was ich empfunden habe, müssen Sie wissen, dass dieser legendäre Preis, benannt nach dem schlesischen Barockdichter – einem vielsprachigen Poeta doctus –, mit dem so bedeutende Autoren wie Reiner Kunze, Rose Ausländer, Siegfried Lenz, Andrzej Szczypiorski oder Jiří Gruša ausgezeichnet wurden, dass dies der erste Literaturpreis ist, der mir in meinem Adoptionsland verliehen wurde.“
„Cu asta s-a aranjat, păi cine mai stă, măi frate, în rând cu Lenz & Co. – damit bin ich etabliert, denn wer, Bruder, reiht sich neben Lenz & Co. ein“, sog ich zusammen mit einer guten Portion frischem Sauerstoff ein, die diesmal echt nötig war, und sprach weiter: „Es stimmt: Ein Literaturpreis allein wird Waffen nie zum Schweigen bringen. Was er aber tut: Er verpflichtet. Mir ist dies bewusst und ich hoffe, die in mich gesetzten Erwartungen nicht zu enttäuschen.“
„Aici chiar că s-a întrecut pe sine – jetzt hat er sich sogar selbst übertroffen“, triumphierte ich kurz, um das Folgende nicht hinauszuzögern: „Diese Auszeichnung widme ich meiner Familie für ihre Geduld und ihr Verständnis sowie den Autoren, Übersetzern, Lek­toren, Redakteuren und Korrektoren, die mit mir konstruktiv
zusammenarbeiten und mit denen ich oft freundschaftlich verbun-
den bin.“
„Klar, denen verdankst du eigentlich alles, was du hast“, machte ich mich klein, um wieder auf den Boden zu kommen. Endlich auf Deutsch und sogar grammatikalisch korrekt, stellte ich fest, während ich von Tränen überwältigt wurde.
So also der Unterzeichner dieses Editorials, damals, als Veranstaltungen noch möglich waren. Denn Corona hat, wie üblich, schon wieder alles auf der Kopf gestellt: Diese Ausgabe sollte schon lange erscheinen, aber seine App zeigte ihm überraschend: „Begegnungen an 1 Tag mit erhöhtem Risiko“. Die Ermüdung scheint seither sein ständiger Begleiter sein zu wollen, man glaubt, der Körper versucht durch Schlaf, Energie aus den alltäglichen Aktivitäten zurückzu­ziehen, um die Abwehrkräfte-Armee zu verstärken.
„Unter diesen Bedingungen schreiben? Alles ist ja vorbei und vergangen, was ich erzählen kann, sogar dieser Traum. Das, was ist, und das, was noch kommen wird, ist kaum zu fassen und zu erzählen! Erzählen ist eigentlich etwas Trauriges, weil der Brunnen der Vergangenheit viel zu tief ist für einen, der den Zugang verpasst hat.“ Das schrieb Dieter Schlesak, nicht ich, auch wenn ich es gerne so formuliert hätte.
Genauso verhält es sich mit den Worten von Christel Wollmann-Fiedler in der Einleitung ihres Interviews mit Eginald Schlattner, weil ich ohne Zögern die Beschreibung des Literaturtourismus unterschreiben könnte, den ich kenne und beispiellos finde nicht nur in Rumänien, sondern in der Welt: „Menschen aus dem Westen Europas und von Übersee, nicht nur deutschsprachige, machen sich auf den Weg, nein, pilgern geradezu ins siebenbürgische Rothberg/Roşia bei Hermannstadt/Sibiu zum Pfarrer und Dichter Eginald Schlattner, zum alten Pfarrhof von 1762 und zu einer der ältesten Kirchen inmitten der Karpaten, der romanischen Basilika aus dem Jahr 1225. Kein siebenbürgischer Schriftsteller, ob hier in Rumänien oder im Ausland, bekommt so viel literarischen Besuch, Ehre und Bewunderung. Nun, seine Bücher werden in vielen Auflagen produziert, in mehrere Sprachen übersetzt und sogar verfilmt.“
Nach Siebenbürgen also laden wir Sie ein, liebe Leserinnen und liebe Leser, zuerst mit einem Auszug aus dem im Sommer 2021 erschienenen Roman Drachenköpfe. Im Folgenden werden dann dessen vielfältige Facetten von nicht weniger als drei Studien auf insgesamt mehr als 43 Seiten beleuchtet:
– „Zu Eginald Schlattners Roman Drachenköpfe (2021) – Eine literarische Replik auf Iris Wolffs Erzählung Drachenhaus“ von Gabriella-Nóra Tar, die in ihrer literarischen Analyse festhält: „Keinesfalls soll übersehen werden, dass der autodiegetische Erzähler in Drachenköpfe nicht nur Pfarrer, sondern vor allem Schriftsteller, d. h.
ein Künstler ist. Im Roman gelten zuerst seine literarische Lektüre, danach sein eigenes literarisches Werk als Medien, die eigene Vergangenheit analytisch bzw. kreativ zu bewältigen und somit implizite auch die rumäniendeutsche Geschichte bzw. Gegenwart zu erschließen.“
– „Ebenso politisch aktuell wie literarisch bedeutsam: Die Überhöhung des Profanen durch das Mythische“ von Christoph Klein, der bilanziert: „Das Buch schließt seltsamerweise mit einem Wort, das Anita Mirjam ihm Jahre zuvor, 1978, auf der Galerie des Pfarrhauses in Semlak zugerufen hatte, zum Abschied, ohne ihm ihr Antlitz zu zeigen. Es heißt wörtlich: ,Ich signierte weiterhin Bücher im wechselnden Licht von Handys, Taschenlampen und Feuerzeugen […].
Und erahnte, was es heißen könnte: ,Du bist für das Antlitz des anderen verantwortlich.‘ […] Ein Wort Mircea Eliades sei am Ende zitiert wie ein Schlüssel: ,… die Wahrheit der Geschichte beginnt … bei der symbolischen Bedeutung der Ereignisse‘ […].“
– „Drachenköpfe. Roman im Kontext der Rehabilitierung des Autors und Siebenbürger Sachsen Eginald Schlattner“ von Rolf L. Willaredt. Zum Schluss seiner Buchbesprechung schreibt Rolf L. Willaredt: „Und wir dürfen ohne Rücksicht auf Textsorten davon ausgehen, dass er [Eginald Schlattner] seit 88 Jahren wie in einem ereignisvollen Roman lebt und diesen in einer Version für uns festhält. Aber Vorsicht, um mit seinen Worten zu sprechen: ,Die Dinge müssen nicht stimmen, aber stimmig sein sollten sie‘ […]. ,Selbst Worte sollten nicht genötigt werden, wahr zu sein, aber wahrhaftig, das ja!‘ […].“
Nach Rothberg ging im Sommer 2021 auch das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. „Mit Eginald Schlattner möchten wir eine große Persönlichkeit Rumäniens aus dem Kulturkreis der deutschen Minderheit für sein Werk und Wirken ehren. Beide, Werk und Wirken Eginald Schlattners, Siebenbürger Sachse, 1933 in Arad geboren, stehen in ihrer umfassenden Botschaft sinnbildlich für Toleranz und gegenseitigen Respekt zwischen den Kulturen und Ethnien des Landes, für Zivilcourage, Prinzipientreue und unermüdliches Eintreten für europäische Werte und historische Wahrheit“ – so die offizielle Begründung des Ordensvorschlags. Wir freuen uns sehr über die Ehrung unseres Autors und bitten Sie, an unserer Freude teilzunehmen. Feiern Sie also zusammen mit dem Laudator Cord Meier-Klodt, damaliger Botschafter Deutschlands in Rumänien, den Autor Eginald Schlattner, der selbst drei Dankesreden gehalten hat in den drei in Siebenbürgen gesprochenen Sprachen: Rumänisch, Deutsch und Ungarisch. Welch eine Bereicherung, so einem Menschen zuzuhören, der Worte für jeden gefunden hat und sich auch in der jeweilige Sprache ausdrücken kann!
Auf Deutsch zum Beispiel: „Oder schlichter, wie etwa Konrad Adenauer befindet: ,Ehrungen, das ist, wenn die Gerechtigkeit ihren liebenswürdigen Tag hat.‘“
Den rumänischen Gästen verriet er u. a. auch, dass er keinen deutschen Pass habe, weil er darauf vertraue, dass Gott genau hier seine schützende Hand über ihn halte: „Întrebat de ce nu am pașaport german – aș putea – răspund: ,Am încredere că bunul Dumnezeu îmi va purta de grijă aici, ca să fiu ocrotit în cele ale vieţii și la moarte.‘“
Den ungarischen Kollegen und Mitbrüdern sagte er u. a.: „Nos, akkor: integráció – igen, asszimiláció – nem. Vagy rövid bibliai megfogalmazásban – a legfőbb parancsolatként: ,Szeresd felebarátodat, mint önmagadat‘“, übersetzt: „Nun denn: Integration – ja, Assimilation –
nein. Oder in einer kurzen biblischen Formulierung – als oberstes Gebot: ,Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.‘“
Isabel Rauscher, die Botschafterin der Republik Österreich in Rumänien, kennt den Weg nach Rothberg schon lange: „Wenn es nicht schon spät geworden wäre und der Anstand es geboten hätte, Ihre Herzlichkeit nicht überzustrapazieren, würde ich heute noch bei Ihnen im Biedermeierfauteuil sitzen!“, gestand Sie bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Eginald Schlattner im November 2018 und hob hervor: „Im Namen der ,Spätgeborenen‘, der Generationen, die Ihnen folgten und die uns folgen werden, danke ich Ihnen für Ihre wunderbare Sprache und für die Welt, die Sie durch Ihre Sprache und Ihre Erzählungen erhalten haben. Mittels dieser Sprache vermitteln Sie nicht nur eine gelebte Welt, sondern auch ein ganzes Weltbild; dies in einer Zeit, in der ein solches Weltbild oft nicht mehr als ,cool‘ angesehen wird.“
Isabel Rauscher war natürlich auch diesmal dabei und erlaubte uns, ihre damalige Rede zu veröffentlichen. Vielen Dank dafür! Und nicht nur Ihnen, liebe Frau Rauscher, sondern auch allen anderen, die uns ihre Beiträge zur Verfügung gestellt haben! Wir werden uns bei der nächsten Feier unseres Autors wiedersehen. Gründe gibt es genug. Einer davon ist das Erscheinen seines neuesten Romans Schattenspiele
toter Mädchen. Eine Kostprobe daraus rundet unseren Weg nach Rothberg ab – mit dem Versprechen, bald dorthin zurückzukehren.
„Das Leben ist ein Gespräch / In der Dunkelkammer über Glück, / Die Ränder des Da- und Wegseins“: Von der Weltbühne der Literatur grüßt uns Horst Samson mit einigen Gedichten aus seinem neuesten Lyrikband In der Sprache brennt noch Licht. Lesen Sie dazu auch eine ausführliche Buchbesprechung von Wolfgang Schlott.
Im Essay Der Tod ist groß stellt uns Theo Breuer das Buch Den Toten bewachen / Garder le Mort von Jean-Louis Giovannoni vor.
Mit Elmar Schenkels Erinnerung zu Gustave Flauberts 200. Geburtstag, mit einem Text des klassischen georgischen Autors Egnate Ninoschwili und mit einem Essay über dieses Werk sowie mit Peter Frömmigs Gedanken Zum Leben und Schreiben von Pablo Neruda, der sich „zugehörig den Leuten ohne Schule und Schuhe“ sah, hoffen wir,
Ihr Interesse an einigen Leuchttürmen der Literatur wachzuhalten. Aus den Beständen der Weltliteratur haben wir für Sie außerdem Gedichte von Benedikt Dyrlich ausgewählt.
Unser Bücherregal ergänzt die Liste der Buchbesprechungen mit neuen Rezensionen von Harald Gröhler, Wolfgang Schlott, Mark Behrens, Wolfgang Fehse und Widmar Puhl.
„Die Verkennbare. Nach einem Jahr Pause hat die Frankfurter Buchmesse wieder stattgefunden. Hat sie?“, fragt sich Ewart Reder nach seinem Besuch und erzählt uns, was er erlebt hat.
„WAS BLEIBT NOCH VON MIR
nichts als ein Satz / gut beziffert
hier / aus-geschrieben von einer Hand
wie deiner“
So setzt diese Ausgabe ein. Mit einem der besten Dichter Siebenbürgens und des deutschen Sprachraumes: Dieter Schlesak. Beginnen Sie einfach zu lesen. Es lohnt sich. Und glauben Sie mir bitte, das Heft ist aktuell, auch wenn es verspätet erscheint.
Ihr
Traian Pop

• Eginald Schlattner • Auf dem Weg zum Rothberger Pfarrer und Dichter •  Christel Wollmann-Fiedler • Gabriella-Nóra Tar • Cord Meier-Klodt • Christoph Klein • Isabel Rauscher • Rolf L. Willaredt • Horst Samson • Theo Breuer • Elmar Schenkel • Egnate Ninoschwili • Bela Tsipuria • Peter Frömmig • Benedikt Dyrlich • Harald Gröhler • Wolfgang Schlott • Mark Behrens • Wolfgang Fehse • Widmar Puhl • Ewart Reder • Traian Pop •

Inhalt

Traian Pop • Editorial / S. 4

Die Welt und ihre Dichter
Ein Gedicht für jede Jahreszeit
Dieter Schlesak • Was bleibt noch von mir / S. 9
Dieter Schlesak • Nichtzeit . Auszug aus dem posthum erschienenen Roman Das Narbenwahre und die Kunst der Rückkehr / S. 11
Auf dem Weg zum Pfarrer und Dichter Eginald Schlattner
Eginald Schlattner • Die Zwirngasse . Auszug aus dem Roman Drachenköpfe / S. 21
Christel Wollmann-Fiedler • Mein Sommertag in Rothberg . Ein Gespräch mit dem Pfarrer und Schriftsteller Dr. h.c. Eginald Schlattner / S. 29
Gabriella-Nóra Tar • Zu Eginald Schlattners Roman Drachenköpfe (2021) – Eine literarische Replik auf Iris Wolffs Erzählung Drachenhaus / S. 41
Christoph Klein • Ebenso politisch aktuell wie literarisch bedeutsam: Die Überhöhung des Profanen durch das Mythische / S. 57
Cord Meier-Klodt • Laudatio / S. 69
Eginald Schlattner • Insignien in Siebenbürgen / S. 73
Eginald Schlattner • Gedanken zur Rede der Ordensverleihung – 24.6.2021, Deutsches Konsulat, Hermannstadt / S. 78
Eginald Schlattner • Cuvântarea cu ocazia decernării distincţiei Crucea de merit în rang de cavaler al Ordinului de merit al Republicii Federale Germania, 24.6.2021, Consulat, Sibiu / S. 83
Eginald Schlattner • Eginald Schlattner lelkész, Veresmarti lelkészlak, 2021. június 21 . Eginald Schlattner erdélyi szász lelkészíró magyar nyelvű beszéde a Német Szövetségi Köztársaság Érdemkeresztjének nagyszebeni átadása alkalmából / S. 86
Isabel Rauscher • Wenn es nicht schon spät geworden wäre und der Anstand es geboten hätte, Ihre Herzlichkeit nicht überzustrapazieren, würde ich heute noch bei Ihnen im Biedermeierfauteuil sitzen! / S. 88
Eginald Schlattner • Till Eulenspiegel und die Hampelleute . Auszug aus dem neuen Roman Schattenspiele toter Mädchen / S. 91
Rolf L. Willaredt • Drachenköpfe. Roman im Kontext der Reha­-
bilitierung des Autors und Siebenbürger Sachsen Eginald
Schlattner / S. 103

Horst Samson • Dreizehn Gedichte / S. 119
Theo Breuer • Der Tod ist groß … . Essay / S. 132
Elmar Schenkel • „Ich bin Mystiker und glaube an nichts“. Eine Erinnerung zu Gustave Flauberts 200. Geburtstag / S. 135
Egnate Ninoschwili • Der See von Paliastomi . Prosa / S. 139
Bela Tsipuria • Ein neues Leben für die Erzählungen von Egnate Ninoschwili / S. 158
Peter Frömmig • Verwurzelt und weltoffen . Zum Leben und Schreiben von Pablo Neruda (1904–1973) / S. 173
Benedikt Dyrlich • Sieben Gedichte / S. 177

Bücherregal
Harald Gröhler • Über Milan Hrabals Gedichtbuch Wenn die Fische davonfliegen / S. 184
Wolfgang Schlott • Über Horst Samsons Gedichtbuch In der
Sprache brennt noch Licht / S. 187
Wolfgang Schlott • Über Petru Ilieșus Gedichtbuch Rumänien. Postskriptum. Romania. Post Scriptum / S. 190
Mark Behrens • Über Henry David Thoreaus Buch Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat / S. 193
Wolfgang Fehse • Über Harald Gröhlers Buch Astreines Alibi / S. 195
Widmar Puhl • Über Wolfgang Schlotts Buch Kriminelles und Abwegiges. Skurrile Erzählungen / S. 197

Aus der Kulturszene
Ewart Reder • Die Verkennbare . Nach einem Jahr Pause hat die Frankfurter Buchmesse wieder stattgefunden. Hat sie? / S. 199

MATRIX 2/2021 (64)

MATRIX 2/2021 (64)

Zeitschrift für Literatur und Kunst

Ich mag keinen Exhibitionismus, aber ich habe trotzdem das Bedürfnis, die Kleider meines bescheidenen Ich wieder einmal fallen zu lassen. Des bescheidenen Ich, das so verrückt geworden ist, als Autor, Redakteur, Kolumnist – und was es sich sonst erträumt hat in seiner parallelen Welt – erneut vorstellig zu werden. Weil ich, wie schon so oft gesagt, zu danken habe, dass es mir erlaubt ist, dabei zu sein.

So wie mein Vater, der als Pilot für den Flug und die Passagiere verantwortlich war, es getan hat. Von ihm habe ich einen Traum geerbt: wie schön es sein kann, sich dem Willen des Himmels zu überlassen, auch wenn man Seiner Majestät dem Himmel manchmal aus der Hand rutscht. Genauso wie ich von ihm geerbt habe, dem Wunsch nachzugeben, selbst zu erfahren, was es heißt, den Flug für andere vorzubereiten, für ein Flugzeug und seine Passagieren einzustehen. Und das mehrmals wöchentlich, egal ob tags oder nachts, egal ob sommers oder winters, egal ob bei Hitze, Regen oder Schneesturm.

Eine Art, ein Flugzeug mit Passagieren anvertraut bekommen zu haben, scheint auch der Versuch zu sein, eine Literaturzeitschrift am Leben zu erhalten in einer Zeit, als Corona-Pandemie und Klimakatastrophe jedem Flugversuch entgegenstanden. Stimmt, unter Quarantäne gestellt zu werden, ist nicht gerade lustig. Um nicht missverstanden zu werden: Ich gehöre zu denen, die Impfen als einen Akt der Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Gesellschaft sehen. Ich sage dies nicht, um den Überraschungseffekt, der die Passagiere dieses Fluges erwartet, zu verderben, sondern um eine Wahrheit zu wiederholen, die jeder kennt und die niemand hören möchte: Jene, ohne die eine Pandemie und eine Klimakatastrophe nicht existieren würden, sind wir. Nur wir, unabhängig davon, ob wir uns an Bord der Literatur und Kultur begegnen, für die es immer enger wird, oder – im Gegenteil – von deren Existenz keine Ahnung haben bzw. davon nichts wissen wollen.

Genauso wie die Literatur selbst ein Virus ist, gegen das weder Interesse noch Ignoranz, weder Gut- noch Böswilligkeit, weder Armut noch Reichtum, weder persönliche Schwäche noch politische oder militärische Macht und auch nicht die Literatur selbst, die sich so oft für Pfennige prostituiert hat, bisher ein Gegenmittel gefunden haben. Trotz unzähliger Versuche. Von der Inhaftierung bis zum Verbot, ja bis zur raffinierten wirtschaftlich oder politisch korrekten Behandlung.

Dass sich hinter der wirtschaftlich oder politisch korrekten Behandlung von Pandemie und Klimakatastrophe auch eine unfaire Art, mit Literatur umzugehen, verbirgt, ist längst keine Neuentdeckung mehr. Genauso wie die politisch korrekte Behandlung der Literatur eine Katastrophe für Literatur selbst ist. Wenn immer mehr „Literaturfreunde“ sich berechtigt fühlen, mir unbedingt beizubringen, dass z. B. Schneewittchen von Rassismus und Diskriminierung oder Rotkäppchen von Sexismus geprägt seien.
Soll mein Ich, obwohl es zu seiner Männlichkeit steht, aber nicht an Sex denkt, wenn es sich an Rotkäppchen erinnert, soll mein Ich dieses wunderbare Märchen mit seinen Lehren über Gut und Böse, über Naivität und Realität, über Recht, Unrecht und Gerechtigkeit, das meine Kindheit begleitet hat, einfach vergessen? Und Schneewittchen zukünftig außer Acht lassen? Muss ich nun annehmen, dass das wirtschaftlich und politisch korrekte Benehmen uns selbst erfasst hat? Erfasst nicht, aber eingeholt schon, flüstert mir eine berühmte Romanfigur ins Ohr.

Pragmatisch wäre also, in das Flugzeug, das ich unbedingt in Betrieb halten möchte, die Geimpften, Genesenen oder Nicht-Infizierten einsteigen zu lassen. Da ich aber mit Pragmatismus nichts am Hut habe, wähle ich die Passagiere immer noch nach Kriterien aus, die ich mir selbst angesichts der allgemeinen Befindlichkeiten kaum einzugestehen wage. Ist das ein Zeichen dafür, dass meine Finger voller Viren sind? Trotz des Versuchs eines EU-Werbespots, mir beizubringen, wie ich meine Hände korrekt waschen muss? Gott sei Dank drängt sich nicht alles als Vorschrift auf, manches ist nur als Geschenk zu bekommen …
Denn was hätte die Dame aus dem Werbespot mit der Tatsache anfangen können, das z. B. unser georgischer Autor Dato Barbakadse eine „türkische Pizza“ isst „in einem ärmlichen Café in Kopenhagen, Hauptstadt Österreichs / mit ein paar nicht so schlechten Aussichten auf den Seine-Fluss“? Hätte sie eine Probe an die Behörde geschickt, um die Virenbelastung festzustellen?
Und wie hätte das RKI die Tatsache eingestuft, dass Christa Wißkirchen „Vatermutter“ sagt statt „Mamapapa“ und „Erzeuger“ statt „Eltern“ und „Projektion“ statt „Liebe“ und „System“ statt „Schule“ und so weiter und so weiter?

Europa hätte bestimmt Selbstanzeige erstattet, wäre aus dem Zentrum Zentraleuropas zu ihr gedrungen: „Die Anarchisten haben ihre Knallfrösche vergessen (und die Fahnenträger laufen ohne Fahnen / einzeln über den leeren Platz / wo der Volksredner von einer Säule herab / per Liveschaltung seine Zuhörer anfleht / nicht das Haus zu verlassen.)“, wie Thomas Böhme uns gerade mitteilt, während Michael Denhoff von countertimecounter sagt, dass die Komposition immer lebendiger werde trotz der Absicht, der mittlerweile so genannten ,Corona-Krise‘ (die in seiner Wahrnehmung vielmehr eine globale Gesellschafts- und Systemkrise – mit in mancherlei Hinsicht geradezu kafkaesken Zügen – geworden sei) keinen Zutritt in seine künstlerische Arbeit zu erlauben.

Der Gemeinplatz ist allseits bekannt: Was soll der Träumer, wenn heute Pragmatiker und Problemlöser gefragt sind? Wer glaubt im Ernst, dass Lawrenti Ardasiani kein Träumer war, als er in Tiflis die Verwandlung und Europäisierung mit all ihren karnevalesken Zügen akribisch beobachtet und literarisch gestaltet hat? Man könnte auch meinen, Matthias Buth wäre ein Verwalter der Ungerechtigkeit, die immer noch unsere Zeit prägt, Barbara Zeizinger und Rainer Wedler wären Puppenspieler, die sich selbst manövrieren, Silvia Schreiber eine unsichtbare Mitbewohnerin in unseren Wohnungen, Körpern, Gedanken. Und die Rezensenten: viel zu indiskrete Leser, die viel zu diskret über die eigenen Entdeckungen berichten. Den Editorial-Unterzeichner sollte man lieber vergessen: Er spottet jeder Vorstellung von gesundem Menschenverstand. Der einzige Zeitzeuge dieser Ausgabe, der das Schreiben zu seinem Hauptberuf gemacht hat, Hans Todt, mahnt: „In der heutigen Zeit des Internets finde ich es wichtig, dass junge Menschen überhaupt lesen.“

So könne aber keine Identität als Literaturgemeinde entstehen, die integrieren soll statt ausschließen, meldet sich die schon erwähnte Romanfigur zu Wort und fügt hinzu: Dieser Flug findet bestimmt nicht mehr statt. Doch, antworte ich, während die unentschlossene Jahreszeit die Unterwäsche von Rotkäppchen in meinem Handgepäck sucht, nachdem sie mir den Reisespiegel überreicht hat, in dem Schneewittchen sich schminkte, damit ich mich selbst davon überzeugen kann, dass ihr Negativ-Test gefälscht war. Ich finde aber keinen Grund zu feiern, obwohl mein Ich mich aus dem Spiegel ohne FFP2-Maske anstarrt.

Ich halte ihm das Blatt Papier unter die Nase, auf dem ich gerade begonnen habe, den Leitartikel dieser Ausgabe zu schreiben:

„… ich werde dich nie wiedersehen. So viele Tode / warten auf dich“, schreit Matthias Buth mit einem Vers von Adam Zagajewski, „und dann / der tod / zu jeglicher schönheit entschlossen“, zitiert er weiter, diesmal aus einem Gedicht von SAID. „Ruf leise: Strudirella. Wenn dann eine Nixe aus dem Wasser schaut, ist sie deine Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßtante“, antwortet ihm Herwig Haupt. „Auf einem Bild fährst Du unter Wasser mit dem Rad zur Kirche, liebe Irene Klafke“, denkt Christine Kappe, während sie sich mit dem Fahrrad auf den Weg zur Trauerfeier macht. Wollten sie vielleicht Strudirella treffen?

Eine gute Reise hätte ich allen Entschwundenen wünschen wollen, aber meine Stimme macht nicht mit. Ich bin jedoch sicher, dass sie mich hören. Und selbst wenn es nicht so sein sollte, ist es wichtig für mich und Sie, die diese Zeilen lesen, das zu glauben.

Es ist bereits Oktober und die MATRIX-Sommerausgabe endlich druckreif …

Traian Pop

• Dato Barbakadze • Christa Wißkirchen • Thomas Böhme • Michael Denhoff • Lawrenti Ardasiani • Bela Tsipuria • Matthias Buth • Herwig Haupt • Ulrich Bergmann • Christine Kappe • Irene Klaffke • Rainer Wedler • Was und wie viel wurde bzw. wird uns täglich mit auf den Weg gegeben? Was und wie viel davon wollen und können wir tragen bzw. ertragen? • Hans Todt • Barbara Zeizinger • Silvia Schreiber • Christel Wollmann-Fiedler • Wolfgang Schlott • Tania Gensfett • Uli Rothfuss • Katharina Kilzer • Stefanie Golisch • Dieter Mettler • Traian Pop •

Inhalt

Traian Pop • Editorial / S.4

Die Welt und ihre Dichter

Ein Gedicht für jede Jahreszeit
Dato Barbakadse • genius loci / S. 9

Christa Wißkirchen • Sechs Gedichte / S. 12
Thomas Böhme • Fünf Gedichte / S. 18
Michael Denhoff • countertimecounter / S. 26
Dato Barbakadse • 64 Haiku / S. 33
Luka Bakradse • Haiku-Kränze / S. 47
Beka Barkaia • Die kombinatorische Poesie Akira Mikitos / S. 49
Lawrenti Ardasiani • Solomon Isakitsch Medschghanuaschwili . Auszug / S. 53
Bela Tsipuria • Verwandlung, Europäisierung und Karnevalität von Solomon Isakitsch und Tiflis / S. 65
Matthias Buth • Lemberg ist Poesie – wie alle Heimat . Zum Tod von Adam Zagajewski / S. 79
Matthias Buth •Auf dem Rückweg vom Tod . In Deutschlands Sprache . In Memoriam SAID / S. 83
Herwig Haupt • Zwölf Gedichte / S. 89
Herwig Haupt • Das Märchen vom Nixenstein . Prosa / S. 104
Ulrich Bergmann • In memoriam Herwig Haupt / S. 119
Christine Kappe • Irene Klaffke, bildende Künstlerin, 1945 – 2021 – ein Nachruf in Briefform / S. 123
Rainer Wedler • Die Versuche des Rudolph Anton R. . Auszug / S. 127
Barbara Zeizinger • Herzwurzeln / S. 145

Zeitgeschichte
Was und wie viel wurde bzw. wird uns täglich mit auf den Weg gegeben? Was und wie viel davon wollen und können wir tragen bzw. ertragen?
Hans Todt • Ich kam aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Cherbourg und stand ohne alles da / S. 157

Atelier
Silvia Schreiber • Du siehst mich nicht . Prosa / S. 160

Bücherregal
Christel Wollmann-Fiedler • Die Reise des Wasserzeichens / S. 177
Wolfgang Schlott • Dato Turaschwili, Das andere Amsterdam / S. 179
Tania Gensfett • Die dämmernde außerterrestrische Leiter ins All . Gedichte von Ágnes Nemes Nagy (1922-1991) / S. 181
Uli Rothfuss • Kultur und Freiheit . Ein Buch von Roland Bernecker
und Ronald Grätz (Hg.) / S. 185
Matthias Buth • Der Worterheller aus Rumänien . Gott weiß mich hier. Radu Carp im Gespräch mit Eginald Schlattner / S. 187
Matthias Buth • Ännchen singt weiter, nicht nur in Königsberg . Klaus Ferentschik, Kalininberg & Königsgrad: Große Miniaturen / S. 191
Katharina Kilzer • Am Ende des Tunnels Licht – Tamara Labas’ Gedichtband Durst der Krieger – Liebesgedichte / S. 194
Stefanie Golisch • Es geht immer weiter. Zu Dato Barbakadses Und so weiter. Sieben Haiku-Kränze / S. 197
Dieter Mettler • Rainer Wedler, Die Versuche des Rudolph Anton R. / S. 199

MATRIX 1/2021 (63)

MATRIX 1/2021 (63)

Zeitschrift für Literatur und Kunst

Die Tage werden länger, trotz des Virus, trotz allem, was vor, auf den Treppen und im Parlamentsgebäude „der größten Demokratie, die der Planet seit seiner Existenz kennt“, passiert ist. Ja, nur wenige hätten gedacht, dass die Demokratie solch ein Kleid zur Schau tragen kann.
Ich, der vor 32 Jahren die Chance bekommen hat, eine Demokratie auf der eigenen Haut zu spüren, bin dankbar für die Geschenke, die mir das Land gemacht hat, wo einige Vorfahren der Mutter meiner Kinder geboren wurden – selbst wenn ich immer wieder erzählen muss, woher ich komme, selbst wenn einige Gutmenschen unermüdlich versuchen, mich für die Taten mancher ehemaliger „Landsleute“, mit denen ich nie zu tun gehabt habe, verantwortlich zu machen. Ich muss Glück in diesem Land gehabt haben, von dem ich – wie viele andere heutzutage noch – dachte, dass auf der Straße Milch und Honig fließen.
Doch nach dem, was ich vor Kurzem im Fernsehen gesehen habe, muss ich zugeben: Die Demokratie, von der ich träumte, fließt leider auch nicht auf der Straße.
Die Intoleranz, die jede Meinung unterdrückt, die nicht mit der eigenen übereinstimmt – dieses „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“, das mich vor mehr als 30 Jahren zum Exil verurteilt hat –, erschreckt mich heute genauso wie damals. Egal ob es in der Sprache des Landes, das mich aufgenommen hat, oder in der Sprache „der größten Demokratie, die der Planet seit seiner Existenz kennt“, geäußert wird.
Nicht nur die Bilder, die vor, auf den Treppen und im Parlamentsgebäude „der größten Demokratie, die der Planet seit seiner Existenz kennt“, gedreht wurden, erschrecken mich, sondern vor allem die Versammlung unterschiedlicher Strömungen, in denen keiner einen anderen Standpunkt tolerieren und jede Gruppierung ihre eigene „Wahrheit“ durchsetzen will, koste es, was es wolle.
Die in den Universitäten geborene politische Korrektheit, die gerade von jenen, die noch nie eine Universität von innen gesehen haben, mit Beschlag belegt wurde, ist zu Exzessen eskaliert, von denen manch ein gefürchteter Diktator nur träumen konnte. Initiativen, die zunächst unbestreitbare Ungerechtigkeiten zu parieren versuchten, haben noch mehr Ungerechtigkeiten produziert. Es wird eine einzige Wahrheit reklamiert, an die niemand rühren darf, und diejenigen, die andere Meinungen vertreten, werden eingeschüchtert, ausgegrenzt, wenn nicht ausgeschlossen. Der ursprünglich gerechtfertigte Widerstand gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie, Transphobie, Fremdenfeindlichkeit und andere Ausgrenzungen hat sich zur Hexenjagd entwickelt. Die Idee der Vielfalt hat es geschafft zu teilen, statt zu vereinen! Die Plattform Cancel Culture ging so weit, sogar ein Verbot von Shakespeare zu fordern, weil seine Schriften „farbigen Studenten gegenüber feindlich“ seien, um nur ein Beispiel zu nennen. Leuchttürme der universellen Kultur wurden plötzlich zur persona non grata, weil sie das Pech hatten, männlich und – was für eine Unverschämtheit! – weiß zu sein. Gerechte Bewegungen, die friedlich begannen, etwa Black Lives Matter, mündeten in Gewalt. Auch die Wortwahl sollte in der freien Welt eingeschränkt und Wörter wie „Mutter“, „Vater“, „Bruder“, „Schwester“ aus dem Wortschatz gestrichen werden, um die Sensibilität derer nicht zu verletzen, die sich in ihnen nicht erkennen: die Diktatur des Neutrums. Und was ist dann mit denen, die sich in den verbotenen Wörtern erkennen? Das hört sich genauso an wie zu jenen Zeiten, die ich nie wieder erleben wollte. Ich hätte nicht gedacht, die finsteren stalinistischen Ideen nach Jahren in der freien Welt wieder anzutreffen! Ich hatte vielmehr gedacht, das Paradies auf Erden entdeckt zu haben. Und nun frage ich mich, wer oder was niedergerissen wird. Die Freiheitsstatue selbst? Und von wem? Von Linksextremisten, von Rechtsextremisten? Von ihren vereinten Kräften?
„Nachrichten zu verfolgen ist wie ein gute Portion Gift zu schlucken“, das sage ich immer öfter. Wem nützt es, zu wiederholen, was jeder in den neuesten Nachrichten gesehen hat? Wem hilft es, wenn ich mitteile, wie ich mich fühle? Wer versteht diese allgemeine Kakophonie? Welche Handlungen sind notwendig und gerecht, welche destruktiv und absurd?
Allerdings ist mir bewusst, dass es im Laufe der Geschichte schon immer Hass, Korruption und Gewalt gegeben hat; genauso wie die Tatsache, dass trotz unbeschreiblicher Spannungen und Feindseligkeiten das Leben weitergegangen ist. Sollte das die Lehre aus der Geschichte sein? Tun wir weiterhin so, als würde das alles nicht passieren?
Um keine voreilige Antwort zu geben, schlage ich zunächst vor, unter den Nachrichten des Tages auch etwas Erfreuliches zu suchen. Und wenn da nichts zu finden ist, suchen Sie bitte in sich selbst: etwas, von dem Sie sicher sind, dass es existiert – sogar in diesen verrückten Zeiten, in denen wir vor allem Antworten auf Fragen wollen, auf die wir keine Antworten bekommen können. Ich habe jedoch das Gefühl, dass trotz der verstörenden Situation des Augenblicks und im Gegensatz dazu dieses „wunderbare Ding“ neben uns ist, vielleicht in uns, aber das Problem besteht darin, dass wir uns zu weit davon entfernt haben, um es wahrzunehmen …
Ich habe es probiert. Ich, der nicht geglaubt hat, dass in der Demokratie ein Gabelstaplerfahrer besser lebt als ein Ingenieur in der Diktatur. Ich, der nie gedacht hätte, ein Editorial in einer anderen Sprache als meiner Muttersprache zu schreiben und Autoren in einer Sprache zu veröffentlichen, die ich erst als Erwachsener lernen musste. Ich habe es probiert und probiere weiterhin, mir beizubringen, meine „wunderbare Seite“ zu entdecken und sie Ihnen zu schenken. Denn ohne Sie hat meine „wunderbare Seite“ keinen Sinn. Ich selbst habe nur dank der vielen „guten Seiten“ überlebt, die ich bisher geschenkt bekommen habe. Eine davon ist der glückliche Zufall, dass ich einen Autor kennengelernt habe, der vor einigen Tagen siebzig geworden ist.

Eigentlich wollte ich ein Editorial schreiben, in dem ich nichts und niemanden kritisiere, sondern unserem Geburtstagskind , dem Schriftsteller Johann Lippet, gratuliere. Vor allem weil ich ihn bewundere, wie er es geschafft hat, (s)eine Ecke der Welt voller eigener Gedanken und Erinnerungen zu leben und zu verewigen und gleichzeitig uns, seine Leser, zu glücklichen Teilhabern zu machen. Danke, lieber Johann Lippet, für dein Stück Welt, aus dem die Einfachheit und die Natürlichkeit noch nicht verschwunden sind.
„Im Gesamtwerk des Schriftstellers blieben das Banat und das Schicksal seiner Menschen bis zum jüngsten Buch („Franz, Franzi, Francisc“, Romanfragment) ein Leitthema.“ So Luzian Geier über den gefeierten Schriftsteller-Chronisten der Banater Gemeinschaft.
„Johann Lippet“, schreibt Horst Samson, „ist der Chronist des Alltagslebens der Banater Schwaben in der Banater Heide. Sein genauer und kenntnisreicher Blick auf diesen Landstrich, auf die Dörfer und Menschen, ihren Alltag und ihre Erlebnisse in geschichtsträchtigen Vernetzungen mit und in ihren dörflichen Gemeinschaften werden virtuos und im sprachlich authentischen Kolorit erzählt, dokumentarisch verlässlich beschrieben und exemplarisch am Beispiel seiner Heimatgemeinde Wiseschdia literarisch reizvoll verortet.“
Theo Breuer erkennt in Johann Lippets Banat-Büchern literarische Werke, „die verloren gegangener H∙e∙i∙m∙a∙t ein Denk-, Ehren-, Mahnmal setzen“, und hebt die fundamentale Bedeutung „des letzten Satzes des 789 Seiten umfassenden Buchs mit dem bezeichnenden Titel Dorfchronik, ein Roman hervor: Im Grunde genommen erscheint uns jetzt die Wirklichkeit, von der wir erzählt haben, sowieso nur noch als Fundgrube für Fiktion.“
„ich, johann lippet, bin nur indirekt aus dem banat“, schrieb der Autor in der 1980 in Rumänien veröffentlichten und sehr geschätzten biographie. ein muster. Lesen Sie ab Seite 17 einen Auszug daraus, der erstmals in Deutschland erscheint:
„Und weiter: Ich kehre immer wieder zurück. Wie der Täter an den Tatort. Der Vergleich hinkt, ich weiß, es fühlt sich aber so an. (…)
Und ich erinnere mich an Wintermorgen. Wir Kinder liegen bei geöffnetem Fenster in den Betten im hinteren Zimmer, die Tuchent bis unters Kinn gezogen, und wenn dann Mutter, die von der Küche aus den dicken Ofen im Zimmer angeschürt hat, das Fenster wieder schließt, ist die wohlige Wärme, die der Ofen ausstrahlt, regelrecht zu riechen.
Allein schon wegen dieser unvergleichlichen Wärme und dem damit verbundenen Gefühl von Geborgenheit werde ich immer wieder zurückkehren.“
Die „Phantome der Erinnerung“, die sich zwischen diesen zwei Aussagen Johann Lippets bewegen, können Sie auch als Premiere ab Seite 33 lesen. Um ein umfassenderes Bild von seinem Werk zu bekommen, haben wir für Sie einige seiner Gedichte ausgewählt, die in den 70er- und 80er-Jahren in Rumänien entstanden sind. Horst Samson, dem wir nicht nur diese Auswahl, sondern auch die meisten Fotografien dieser Ausgabe verdanken, widmet dem Zelebrierten eines seiner letzten Gedichte.

Selbstverständlich fanden wir, dass eine Ausgabe, die dem „Chronisten des Alltagslebens der Banater Schwaben“ gewidmet ist, mit einem der besten Texte eröffnet werden soll, die der Autor dieses Editorials je über das Banat gelesen hat: dem Gedicht „Banater Elegie“ von Johann Lippets „Aktionsgruppe“-Kollegen und Freund Richard Wagner.

Als ich weiter oben versucht habe, Ihnen den Schwerpunkt dieser Ausgabe vorzustellen, wagte ich die Aussage: „Nachrichten zu verfolgen ist wie ein gute Portion Gift zu schlucken.“ Nun muss ich allerdings zurückrudern: Das trifft nicht immer zu. Mindestens ein Wunder ist in letzter Zeit geschehen: Es gibt viel früher als gehofft die Impfung! Die Impfung, die nach Maskulinum oder Neutrum klingt und tatsächlich so weiblich ist, verspricht, uns allen zu helfen. Ist das nicht wunderbar? Ich weiß nicht, wie Sie dazu stehen, aber ich brauchte so eine Nachricht.

Nun kann ich ruhig weitermachen, um unsere Ausgabe fertigzubekommen. MATRIX stellt Ihnen auch Gedichte von Amiran Swimonischwili (Paco) im Original (georgisch) und in deutscher Übertragung vor sowie Erinnerungen an seine Seltsamkeit, an seine herausragende Originalität, die in keiner Weise in Verbindung zu seinem Dichten stand.
Klaus Martens präsentiert diesmal nicht nur einige seiner neuesten Gedichte, sondern eröffnet auch unsere Recherche „Was wurde uns allen als Bürde mit auf den Weg gegeben? Wie viel davon wollen und können wir tragen?“ Auf ihn folgt Wendel Schäfer, der empfiehlt, dass wir uns kein Buch verbieten lassen.
Über Robert Musil und seinen Mann ohne Eigenschaften trauen sich nicht sehr viele Leser zu sprechen. Ulrich Bergmann tut es, und zwar im Sinne des Romans, was heißt, dass in seinem Essay noch viele Türchen offen bleiben, trotz der respektablen Länge.
Benedikt Dyrlich zeigt uns eine Facette Roms aus dem Jahr 1983, geträumt durch das DDR-Fenster und gesehen durch die DDR-Sonnenbrille.
Und Edith Ottschofski nimmt uns mit in die Berliner S-Bahn, während sie Gedichte schreibt.
Die Rezensenten haben diesmal weniger Platz zur Verfügung. Ihre Leseeindrücke teilen Barbara Zeizinger, Uli Rothfuss und Matthias Buth mit.
Vielen Dank auch an Literaturport.de, wo unsere Zeitschrift aufgenommen wurde. Es war nicht einfach und ich hoffe, dass die Freude nicht nur unsererseits ist, sondern auch seitens derer, die das Portal verwalten oder sich dort informieren. Dieser Erfolg ehrt und verpflichtet uns gleichzeitig. Und Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben nur zu gewinnen.

Ihr Traian Pop

• Richard Wagner • Luzian Geier • Johann Lippet • Horst Samson • Amiran Swimonischwili (Pako) • Beka Kurchuli • Klaus Martens • Wendel Schäfer • Ulrich Bergmann  • Edith Ottschofski • Barbara Zeizinger • Uli Rothfuss • Matthias Buth •

Inhalt

Traian Pop • Editorial / S.3

Die Welt und ihre Dichter
Ein Gedicht für jede Jahreszeit
Richard Wagner • Banater Elegie / S. 9
biographie. ein muster • Johann Lippet zum 70.ten
Luzian Geier • Schriftsteller-Chronist seiner Banater Gemeinschaft . Der Autor Johann Lippet wurde 70 / S. 13
Johann Lippet • biographie. ein muster . ein Banater Schwaben-Epos aus den 80er jahre / S. 17
Johann Lippet • Phantome der Erinnerung / S. 33
Horst Samson • Allegorie . Ein Gedicht für Johann Lippet / S. 86
Johann Lippet • Frühe Gedichte . Die 70er und 80er Jahre in Rumänien. . Eine Text-Auswahl von Horst Samson / S. 89
Amiran Swimonischwili (Pako) • Fünf Gedichte in Original (georgisch) und in deutscher Übertragung / S. 122
Beka Kurchuli • Pako . Erinnerungen eines Freundes / S. 133
Klaus Martens • Fünfzehn Gedichte / S. 139

Zeitgeschichte
Was und wie viel wurde bzw. wird uns täglich mit auf den Weg gegeben? Was und wie viel davon wollen und können wir tragen bzw. ertragen?
Traian Pop • Ich wage es… / S. 154
Klaus Martens • (Er) hatte die Wahl zwischen den Kommunisten und den Nazis gehabt. Letztere hatten wohl die schickeren Mützen. / S. 155
Wendel Schäfer • Lasst euch kein Buch verbieten / S. 161
Ulrich Bergmann • Der Mann ohne Eigenschaften – eine Utopie?/ S. 163
Benedikt Dyrlich • Mein Italien 1983 / S. 185

Atelier
Edith Ottschofski • saumselige annäherung . Acht U-Bahn gedichte. / S. 199
Bücherregal
Barbara Zeizinger • Andreas Kossert, Flucht. Eine Menschheitsgeschichte / S. 206
Uli Rothfuss • Harald Gröhler, Frischer Schnee / S. 209
Matthias Buth • Jürgen Brôcan, Ritzelwellen / S. 211

 

MATRIX 3/2020 (61)

Zeitschrift für Literatur und Kunst

Es war noch Sommer und die Dürre versuchte, die Vorhersagen von Umweltaktivisten zu widerlegen, die gemunkelt hatten, dass das Abstellen der Motoren, insbesondere was die Zivilluftfahrt betreffe, der ganzen Welt zeigen werde, wie gut es sei, auf das zu verzichten, was man nicht unbedingt brauche.
Mein ursprünglicher Plan war es, hier ein Gedicht von Peter Frömmig zu veröffentlichen. Aber Louise Glück, eine Dichterin, die unsere Übersetzerin Stefanie Golisch bereits vor einigen Jahren als eine der bestbewerteten Autorinnen in Übersee unter den „gut bewerteten“ vorgestellt hatte, eine Dichterin, die allerdings kein Redaktionsmitglied als Kandidatin für die begehrteste literarische Trophäe der Welt gesehen hatte, hielt Stefanie hartnäckig ein Sommergedicht unter die Augen. Versuche, es abzulehnen, gerade jetzt, wenn Louises Name in aller Munde ist?
Das hat eine andere Kandidatin für die Anführung des Autorenzuges, Catherine (Kitty) O’Meara, nicht daran gehindert, eine Pandemie-Granate in den Kopf des Dichters Horst Samson zu platzieren, sodass er nicht schlafen konnte, bis er den Text ins Deutsche übersetzt hatte.

Die gesamte Redaktion geht zu Boden, gerade als Mia Lecomte uns mit ihrer leisen Stimme unbedingt erzählen will, dass ihr Großvater für immer an seiner La petite klebte.
Ich krieche auf das Handy zu, das mir die Explosion von Kittys Granate aus der Hand gerissen hat: Dichterin bin ich / auch wenn die Träne gefriert / die Wolke zerbricht / der Hai mich anfällt, schreibt Anna Santoliquido gerade, und ich lese ihre Zeilen trotz der halben Worte, die immer noch in der Luft tanzen.
Wenn ich könnte, würde ich unter dem Schreibtisch Schutz suchen, wie bei einem Erdbeben in Japan gesehen. Aber ich kann nicht, ich habe alles unter den Schreibtisch gestopft, was nicht in die Regale passt, die die Wände füllen, also stecke ich meinen Kopf in einen Stapel ungeöffneter Briefe. Und möchte Kitty schelten für die Idee, ihre Granate gerade in unsere Redaktion zu werfen, als mir jemand ins Ohr flüstert: „Hör auf mit dem Blödsinn, diese Granate tut anderen weh und nicht dir!“

Auf einmal Ruhe: Stefanie unterhält sich mit Louise, Horst gibt es auf, einen Kommentar auf Facebook zu veröffentlichen, der Kittys Fans erneut schrecklich irritieren würde.
Ich hätte nie gedacht, dass Friedenssicherung sich so schwierig anlassen könnte, aber in unserer Redaktion folgt nicht einmal eine konventionelle Ausgabe des Magazins klaren Parametern, geschweige denn eine, die auf Messers Schneide zustande gekommen ist, während der unsichtbare Feind jeden Beteiligten aus dem Nichts anspringen kann. Und am Ende versuchen die Mitglieder des Redaktionsrats, die Redakteure, Lektoren, Korrektoren und externen Mitarbeiter aufzuräumen, als ob es möglich wäre, jemals Ordnung in dieses Chaos zu bringen.
Diesmal haben wir Glück gehabt, der Angriff hat nicht länger als drei Minuten gedauert und nach einer knappen Viertelstunde ist kein verdächtiges Geräusch mehr zu hören. Aber wir können uns nicht an die Arbeit machen: Rainer, unser klarer Kopf, hat die Bewertung des Schadens noch nicht abgeschlossen. In letzter Zeit braucht er dafür länger, ein Jüngerer und Toleranterer sollte gefunden werden, um ihm zu helfen – aber woher soll der kommen, woher so viel Jugend, woher so viel Toleranz? Er berichtet schließlich, dass drei oder vier Manuskripte zerstört wurden, dass aber – wie durch ein Wunder – kein Autor tödlich verletzt wurde.

Die Hose eines der Praktikanten ist vorne nass. Niemand hat den Vorfall bemerkt, bis Radu Carp Eginald Schlattner nach seiner ersten Begegnung mit der orthodoxen Kirche fragt. Der Praktikant allerdings schwört, dass seine Kaffeetasse übergeschwappt ist, doch niemand verliert ein Wort darüber. Vor drei Jahren hat der Zufall die Wege des siebenbürgisch-deutschen Romanschriftstellers Eginald Schlattner und des rumänischen Politikwissenschaftlers Radu Carp gekreuzt – eine Begegnung, aus der ein Interviewband hervorging, das 2018 zunächst in Bukarest auf Rumänisch veröffentlicht wurde und nun auch übertragen vorliegt – trotz aller Vorbehalte des Autors, dessen Muttersprache selbstverständlich Deutsch ist und dem es abwegig erschien, quasi „rückübersetzt“ zu werden.
Es herrscht Stille, die folgenden ernsten Literaturpassagen bringen die Jammernden zum Schweigen. Endlich.

„Es gab Sehnsucht nach etwas, das verloren war, Sehnsucht nach etwas, das sich nicht erfüllt hatte, Sehnsucht danach, etwas zu finden, und manchmal auch danach, etwas zu verlieren“, schreibt Iris Wolff, laut Denis Scheck „eine Autorin mit einem traumsicheren Sprachgefühl“.

Kurz vor seinem Tod im März 2019 hat der Dichter, Romanautor, Essayist und Übersetzer Dieter Schlesak seine analogen wie digitalen Manuskriptordner durchgesehen, also „Lyrikarchäologie“ betrieben, und einen Band mit Gedichten und Gedanken zusammengestellt, der eine ebenso bezeichnende wie bewegende Auswahl seines literarischen Schaffens bietet. Paul Celan, einer seiner wichtigen Wegbegleiter, durfte natürlich nicht fehlen.

Genauso wie im Fall von Theo Breuer und Horst Samson. Auch von diesen beiden Autoren haben wir einige Texte für Sie ausgewählt, um Paul Celans 100. Geburtstag zu feiern.

Finden und gefunden werden, Matthias Buths poetischer Nachruf auf Axel Vieregg, findet seinen Platz vor Eva Bergs neuesten Gedichten.

Über Neuerscheinungen sowie Berichte aus der Kulturszene gibt es diesmal keinen Streit: Widmar Puhl, Wolfgang Schlott, Uli Rothfuss, Mathias Buth und Peter von Mallinckrodt kommen gut miteinander aus.

Hans Lindemann findet nichts Besseres zu tun, als unsichtbar zu werden und es uns zu überlassen, sein literarisches Werk zu entdecken. Klar, wir werden es tun. Vielleicht schon in der nächsten Ausgabe.

Ich schleiche mich leise in die Küche, um mir einen grünen Tee zu machen. Auf dem Weg lasse ich noch einmal das Video mit Hinweisen zum Ausfüllen der Formulare für eine Verlagsförderung durch meinen Kopf laufen. Und den extravaganten Wortlaut meiner Bewerbung sowie die nicht weniger extravagante Chance, die mir das Leben gegeben hat: mit Literatur zu tun zu haben in einem Land, dessen Sprache ich vor ein paar Jahren noch nicht kannte. Meine Hand zitterte, als ich auf Senden ging.
„Was für eine lustige Bewerbung du gemacht hast, es sieht so aus, als ob du zu jenen Mistkerlen zählst, die nicht viel sagen, aber tun. Schade, es war eine gute Sache …“ Mein Kollege lächelt mich an, als er mir das kochende Wasser wegschnappt und auf seinem überdimensionierten Handy eine E-Mail vor die Augen hält: Alle Förderungen seien gestoppt worden.
„Stimmt nicht“, sage ich ihm, „ich glaube, ich wünschte damals, mein Laptop würde hängen bleiben, als ich die Sendetaste drückte.“
„Doch, stimmt, du bist so einer“, antwortet er, „auch wenn dies das schlechteste Editorial ist, das jemals geschrieben wurde.“

Liebe Leserinnen und Leser, ich habe nichts anderes gemacht, als einen Arbeitstag der Redaktion zu beschreiben, wie ich ihn erlebe. Ob Sie es glauben oder nicht, ist eine andere Geschichte. Um ehrlich zu sein, ist es nicht wichtig, wie unsere Redaktion in Corona-Zeiten arbeitet – allein das Ergebnis zählt. Und diese Ausgabe kann sich meiner Meinung nach sehen lassen.
Viel Freude beim Entdecken wünscht Ihnen
Traian Pop

• Eginald Schlattner • „Gott weiß mich hier“ •  Dieter Schlesak • 100 Jahre Paul Celan • Theo Breuer • Horst Samson • Louise Glück • Iris Wolff • Catherine (Kitty) O’Meara • Eva-Maria Berg • Mia Lecomte • Anna Santoliquido • Matthias Buth • Uli Rothfuss • Peter von Mallinckrodt • Ulrich Bergmann • Traian Pop • Widmar Puhl • Wolfgang Schlott • 

Editorial / S.4

Die Welt und ihre Dichter

Ein Gedicht für den Herbst
Louise Glück • The Myth of Innocence . Der Mythos der Unschuld / S. 7

Catherine (Kitty) O’Meara • And (the) people stayed home . Und die leute blieben zu hause / S. 12
Horst Samson • Ein Gedicht geht um die Welt / S. 14
Mia Lecomte • Weniger als die Hälfte . Sei poesie / Sechs Gedichte in der Übertragung von Barbara Pumhösel und Eva Taylor / S. 18
Anna Santoliquido • Sieben Gedichte / S. 30
„Gott weiß mich hier“ • Radu Carp im Gespräch mit Eginald Schlattner / S. 42
Iris Wolff • Die Unschärfe der Welt / S. 57

100 Jahre Paul Celan
Dieter Schlesak • Absenz Und Nie. Das Ebenbildliche nach Auschwitz. Am Rand / S. 69
Theo Breuer • nicht weniger nicht mehr / S. 99
Horst Samson • „In den Lüften liegt man nicht eng“ . Anmerkungen zur unauflösbaren Tragik des Dichters Paul Celan (1920 – 1970) / S. 113
Horst Samson • Sieben Paul Celan zugeeignete Gedichte / S. 136

Matthias Buth • Finden und gefunden werden . Axel Vieregg: Wortsucher / S. 145
Eva-Maria Berg • Acht Gedichte / S. 161

Bücherregal
Widmar Puhl • Kompakte Wucht der Sprache. Gedichte von Dato Barbakadse / S. 169
Widmar Puhl • Ich bin viele. Frauenstimmen aus Georgien / S. 176
Wolfgang Schlott • Matthias Buth . Der Schnee stellt seine Leiter an die Ringmauer / S. 179
Wolfgang Schlott • Sigrid Katharina Eismann . Das Paprikaraumschiff / S. 201
Uli Rothfuss • Mathias Enard . Kompass / S. 184
Uli Rothfuss • Martin Walser . Mädchenleben oder Die Heiligsprechung / S. 186
Matthias Buth • Iris Wolff . Die Unschärfe der Welt / S. 188
Matthias Buth • Ernst Kerneck . Die drei Mäntel des Anton K. – The Three Overcoats of Anton K. / S. 191
Peter von Mallinckrodt • Gisela Hemau, Auf der Rückseite der Augen / S. 194
Ulrich Bergmann • Ines Hagemeier, Dichtungsringerin / S. 198

Aus der Kulturszene
Widmar Puhl • Verlorener Komponist & Teufelsgeiger, weiblich . Das erste Konzert des SWR Symphonie Orchesters nach sieben (7) Monaten in der Stuttgarter Liederhallle / S. 201
Wolfgang Schlott • Nachruf auf seinen Pressereferenten und spiritus rector Hans Lindemann / S. 204

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