Aktuele Ausgabe

MATRIX...

Damit große Dichter existieren können, braucht man große Leser. Walt Whitman „Niemand wird noch an den Büchern anderer interessiert sein, wir werden unsere eigenen Romane lesen, bestellt bei den Self-Publisher-Verlagen. Wir werden alle Schriftsteller sein“, stellt Matei Vişniec, einer der … Weiterlesen

Weiterlesen
Alternative text

MATRIX...

Vor 75 Jahren starb James Joyce. Wer kennt ihn nicht? Doch wer hat ihn gelesen? Die Essays von Klaus Martens und Simona-Grazia Dima versuchen nun, Ihnen zwei wichtige Werke des schmalen Mannes mit der Nickelbrille nahezubringen: die Prosasammlung „Dubliner“ und … Weiterlesen

Weiterlesen
Alternative text

MATRIX...

Seismogramme des Kriegsalltags Eine Fata Morgana schien die endgültige Fassung dieser MATRIX-Ausgabe zu sein: Sie wuchs und wuchs und wuchs und wir mussten irgendwann STOPP! sagen, sonst hätte sie alle vorstellbaren Rahmen gesprengt. Das 100-jährige Gedenken an den Ausbruch des … Weiterlesen

Weiterlesen
Alternative text

MATRIX...

Was Sie gerade lesen, sind nur geklonte/geklaute Zeilen aus einem langen Brief an einen Kulturminister, der vor etwa drei Wochen an den Börsenverein sowie einige Zeitungen ging. Eine Reaktion darauf habe ich nicht mitbekommen, deshalb denke ich, dass selbst eine … Weiterlesen

Weiterlesen
Alternative text

MATRIX...

Stellen Sie sich mal vor: Egal ob die Information von einer Zeitung, einem Radiosender, TV-Programm oder Blog kommt – überall die gleiche Meinung. Stellen Sie sich dazu noch vor, dass keiner es merkt, zu merken scheint oder merken möchte. Alle … Weiterlesen

Weiterlesen
Alternative text

MATRIX...

… wo es eine Literatur gibt, da gibt es nicht diese Literatur einfach, sondern es gibt sie, weil nach ihr verlangt wird … (143 Seiten mit und über Richard Wagner)   Wenn ich Sie aufforderte, das Editorial dieser MATRIX einem … Weiterlesen

Weiterlesen
Alternative text

Matrix...

…Was würden wir rumänischsprachigen Schriftsteller / ohne die deutschsprachigen anfangen, / fragte sich Mariana Marin … (Wir sind frei), schrieb ich 1998, fünfzehn Jahre später. Nikolaus Berwanger war damals für mich kein Unbekannter, aber er zählte nicht zu jenen, an … Weiterlesen

Weiterlesen
Alternative text

Matrix...

  „… Was würden wir rumänischsprachigen Schriftsteller / ohne die deutschsprachigen anfangen, / fragte sich Mariana Marin … (Wir sind frei)“, schrieb ich 1998, fünfzehn Jahre später. „In seinem Werk daheim“ Hans Bergel Als ich diese Verse zu Papier brachte, … Weiterlesen

Weiterlesen
Alternative text

Matrix...

Europa, ah, meine offene Wunde … Jahrelang habe ich von Europa geträumt. Jahrelang hat mich umgetrieben, dass die meisten Einwohner der EU nicht wissen oder nicht wissen wollen, dass Europa nicht an den Grenzen der EU endet, und sich damit … Weiterlesen

Weiterlesen
Alternative text

MATRIX 2/2016 (44) • Kurt Drawert • 60 Jahre. 47 Antworten

Damit große Dichter existieren können, braucht man große Leser.
Walt Whitman

„Niemand wird noch an den Büchern anderer interessiert sein, wir werden unsere eigenen Romane lesen, bestellt bei den Self-Publisher-Verlagen. Wir werden alle Schriftsteller sein“, stellt Matei Vişniec, einer der großen Dramatiker der Gegenwart, fest und ergänzt: „Anscheinend sind wir schon im Sternzeichen der leserlosen Schriftsteller angelangt … Uns gefällt die Umwandlung vom denkenden zum absorbierenden Gehirn, vom Erbauer zum Nachahmer… Ich bin mir nicht sicher, dass der Aufruhr noch möglich ist in einer Welt, in der die Hirnwäsche immer effizienter wird und die zu dieser ,Mutation‘ eingesetzten Instrumente immer sophistischer werden, einfallsreicher, subtiler … Die Mediendiktatur hat der Diktatur des Showgeschäfts die Hand gereicht. Auf meinen Fiktionsseiten halte ich fest, dass nach einigen Jahrzehnten ein Dostojewski lesender Mensch es riskiert, zum Lobotomiepatienten gestempelt zu werden. Denn ein Mensch, der liest, schaut nicht mehr fern, wird also resistent, ein indirekter Oppositioneller des Medienimperiums. Mein letztes, bei Cartea Românescă veröffentlichtes Buch Der Mensch, aus dem das Böse extrahiert wurde enthält drei Stücke, die eine Analyse der Art und Weise, wie der Mensch Schritt für Schritt seine Werkzeuge zum Verstehen der Welt, aber auch die seiner Zukunftssicherung zerstört. Ich will nicht pessimistischer als Cioran sein … Wer konnte sich aber beim Fall des Kommunismus vorstellen, dass die folgende große Gefahr der Menschheit der Integralismus sein wird. Es gibt Lösungen, damit wir uns nicht von Moden verblöden lassen, von Modellen, zahlreichen Formen des Dilettantismus, die nicht nur in der Politik gedeihen, sondern auch in der Kunst. Wenn ich dem Menschen nicht zutrauen würde, dass er sich über die Mittelmäßigkeit erheben kann, würde ich keine Literatur mehr schreiben.“

Auch mit dieser MATRIX-Ausgabe versuchen wir gegen die Strömung von Hirnwäsche und Verblödung anzuschwimmen. Neben oben zitiertem Matei Vişniec und unserer Ehrengast Kurt Drawert unterstützen wieder zahlreiche zeitgenössische Autoren unser Vorhaben, Literatur unter die Menschen zu bringen, nicht mehr und nicht weniger.

„…es gibt Container voller schlechter Bücher, jedes Halbjahr neue, und sie verstopfen regelmäßig die Zu- und Abflüsse des Literaturbetriebes“, schreibt Kurt Drawert, der gerade 60 Jahre jung geworden ist, im Jahr 2001. „Mein Schutz sind meine Bücher, in ihnen habe ich alles für mich Wichtige gesagt – der Rest sind Irritationen und halbe Wahrheiten, die allenfalls für die Psychoanalyse von Bedeutung sind, aber nicht für das öffentliche Leben. Ich bin immer wieder erstaunt, wie offensichtlich gern sich einige in ihre körperlichen Öffnungen blicken lassen, ihre banalen Verwerfungen voyeuristischen TV-Skandalen zur Verfügung stellen und ihre platten Empfindungen in die Kameras nuscheln, als gehörten sie zum Weltkulturerbe an und für sich. Das ist natürlich Ausdruck einer restlos verkommenen und exhibitionistisch ausgerichteten Massenkultur, aber leider auch mehr: die medialisierte Pathogenese einer verlorenen Beziehung des Einzelnen zu sich selbst, der für einen Moment der Anerkennung vermutlich alles tun würde“, fügte er 2011 hinzu.

„60 Jahre. 47 Antworten“ – im Hauptteil dieser Ausgabe stellt Kurt Drawert mit einer großzügig edierten Auswahl seine bislang erschienenen Bücher vor. Als Hommage zum 60. Geburtstag, zu dem wir herzlich gratulieren, kann er sich mit diesen Versen selbst beschenken:

Ich bin, was ich in meiner Sprache bin,
Was ich in den Worten bin, die ich mir
            über mich mache.

Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung und Abdruckgenehmigung sowohl beim Autor als auch bei allen in dieser Ausgabe erwähnten Verlagen, die ihn publizistisch betreuen.

Rodica Draghincescu, Horst Samson, Barbara Zeizinger und Theo Breuer gratulieren Kurt Drawert mit Textbeiträgen, während Ute Döring 17 wunderbare Fotos beisteuert, die im Übrigen viel mehr Lob verdienen als diesen einfachen Hinweis – in einer der kommenden Ausgaben wollen wir weitere Facetten ihres künstlerischen Werks vorstellen.

„Die Welt und ihre Dichter“ wird in dieser Ausgabe glücklich ergänzt durch Theo Breuers Gespräch mit Hans Bender, der am 28. Mai 2015 im Alter von nahezu 96 Jahren starb.
„Bei Petrarca trafen Lesen und Sterben zusammen. Sein Haupt fiel auf die Buchseiten. Zu schön, sagen andere. Ich will die Szene so glauben, wie sie überliefert ist“, bemerkt Hans Bender am Ende des Gesprächs, während Theo Breuer zuvor die Gelegenheit nutzt, sich u. a. zu James Joyce’ Hauptwerk zu äußern: „Alles hat seine Zeit, heißt es in der Bibel im Buch der Prediger. Bis vor einigen Jahren ist es mir nie gelungen, James Joyce’ Ulysses vollständig zu Ende zu lesen, ein Buch, das mich seit dem 19. Le­bens­jahr begleitet. Hunderte Male hab ich die erste Seite, mehrfach die ersten 70/80 Seiten gelesen, dann kreuz und quer bis hin zu Mollys Monolog am Ende.“

Francisca Ricinskis Gespräch mit Matei Vişniec sowie ein Beitrag von Paul Tischler über die Zipser deutsche Literatur runden diesen Teil der Zeitschrift ab.

Mit „Memento mori unterm chinesischen Mond“ bringt uns Ulrich Bergmann einmal mehr das von ihm erlebte China nahe – diesmal mit Gedanken über die chinesische Lyrik und ihre Übersetzung ins Deutsche.

Vom Schreibtisch einiger Gegenwartsautoren haben wir für die Rubrik „Atelier“ Gedichte von Klaus Martens („Dies ist ein Gedicht älterer Bauart, / mit dem der abenteuerlustige Autor / oft und gut gefahren ist“), Michael Hillen („am ende seines lebens, heißt es, / fanden zu picasso allein / noch drei menschen: / der frisör, der schneider und ein kunsthistoriker“) und dem aus Moldawien stammenden Autor Nicolae Spătaru („dem Tod war ich stets ein treuer Freund / heute habe ich gespürt, wie er für wenige Augenblicke / seinen erschöpften Flügel schützend über mich breitete“) ausgewählt, außerdem Essays von Maximilian Zander, Irene Klaffke und Wolfgang Schlott sowie Prosatexte von Eric Giebel und Herwig Haupt.

Rainer Wedler, Wolfgang Schlott, Ulrich Bergmann und Christine Kappe besprechen neu erschienene Bücher von Wang Gang, Franz Hohler, Thomas Brock, Holger Benkel, Ekaterine Gabaschwili, Tschola Lomtatidse u. a.
Traian Pop

Es signiert:

• Ute Döring • Kurt Drawert • Barbara Zeizinger •  Horst Samson •Klaus Martens •    Michael Hillen • Rodica Draghincescu • Rainer Wedler • Matei Vişniec • Nicolae Spătaru •  Eric Giebel • Herwig Haupt • Theo Breuer • Gespräch mit Hans Bender • Irene Klaffke • Wolfgang Schlott • Ulrich Bergmann • Die Monde der gelben Mitte • Paul Tischler • Vom Zipserland nach Deutschland • Christine Kappe •


Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.