MATRIX 1/2017 (47) • Schriftsteller untergetaucht? • Signum •

„Poesie und Politik werden nie einander die Hand reichen. Auf der terminologischen Ebene bedeutet Politik die Kunst der Staatsverwaltung. Ich werde  nicht zu beweisen versuchen, dass die Kunst im erwähnten Kontext nichts Gemeinsames mit jener Kunst hat, mit der man einen Schriftsteller, Maler, Musiker charakterisiert (obwohl auch hier viele problematische Nuancen auftauchen).“ So reflektiert Dato Barbacadse über „Poesie und Politik“.
 
„Ich weiß nicht, wie der zukünftige Leser sein wird, z. B. der Leser, der im Unterschied zu mir den Luxus entbehren wird, zu schaffen, umgeben von den mit eigenen Büchern beladenen Regalen (diesen Luxus entbehren bereits heute einige meiner Bekannten – ausländische sowie georgische Dichter), aber ich bin der Meinung, dass diese Frage wichtiger ist als die, ob die von uns geschaffenen Bücher die Zeit überleben und das digitale Dorf der Zukunft erreichen, ob sie auch den künftigen Chip-Leser erreichen werden.“ Ein Kerngedanke aus Dato Barbacadses Essay „Poesie und postgutenbergsche Realität“.
 
„…auch nach siebzehneinhalb erschienenen Jahrgängen darf an Aufhören nicht zu denken sein. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen, unter denen die Herausgabe der „Blätter für Literatur und Kritik“ vollzogen werden muss, sukzessive zu verschlechtern scheinen. Es muss weiter gehen. Aus vielerlei Gründen. Zuvörderst natürlich der Leser, Macher und Autoren wegen. Außerdem: Wohin sollte der Herausgeber, der das Fehlen seiner Blätter für Literatur und Kritik „geradezu körperlich als ernsten, ja unerträglichen Mangel empfände“, wohin denn also, sollte er sonst mit seiner Passion?“ Norbert Weiß über sein Lebenswerk, die Literaturzeitschrift „Signum“.
 
Der Verleger und Schriftsteller Traian Pop Traian fühlte sich irgendwann dazu verpflichtet,  Gedichte wie das folgende zu  schreiben.
„…du weiterhin die Blicke deiner Kollegen prüftest der Arbeiter /in deren Mitte du dich nicht sicher fühlen zu können glaubtest / gelähmt von der Angst einen Fehler zu machen / Verwirrung bei einem noch nicht abgeschlossenen Projekt / zu stiften // weshalb dich / ein Gefühl der Unruhe beschleicht / wenn deine Hand eine Zange einen Schraubenzieher packt / deine Hand die schöne Namen für Frauen Männer Kinder und Vögel zu formen weiß / deine Hand die heimlich von einer Revolution des Schreibens / träumt“ (Traian Pop Traian, 1989)
 
Irgendwann stellt man fest, dass eigentlich viel mehr zusammenpasst, als ursprünglich gedacht. Danke, dass es dich gibt, liebe Literatur, liebe Kunst! So denkt der Herausgeber Traian Pop.
 
Autorinnen und Autoren der Zeitschrift SIGNUM kommen in dieser Ausgabe zu Wort. Es ist eine breit angelegte Auswahl, „bei der es sich weder um eine Text-Bestenliste noch eine Präsentation der Lieblingsdichter des Herausgebers handelt, sondern um die (hoffentlich) profunde und aussagekräftige Annotation ganz unterschiedlicher Schreibweisen und Weltsichten, eine Volltextdokumentation mithin wohlverstandener Zeitgenossenschaft, die mit dem in den Leitmedien gebetsmühlenartig beschworenen Zeitgeist recht wenig zu tun haben dürfte.“ So der Herausgeber Norbert Weiß.

„Die Welt und ihre Dichter“ wird eröffnet mit einem Auszug aus dem gerade ins Deutsche übersetzten Roman, der auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse präsentiert werden wird mit der nicht ganz unbegründeten Hoffnung, dass er zu den besten Übersetzungen gehören wird. Als Übersetzer von Daniel Bănulescu erhielt Ernest Wicher 2005 den Preis für Europäische Poesie der Stadt Münster. Hinter den Titel „Der Teufel jagt nach deinem Herzen“ versteckt sich eine Welt des magischen Realismus‘, balkanisch wohlschmeckend und geheimnisvoll riechend, eine Welt aus dem dunklen Rumänien der 80er Jahre, vergrößert unter der Lupe der überbordender Fantasie des Autors.
 
Kürzere Texte von Gegenwartsautoren finden wir im „Atelier“: Gedichte von Irma Schiolaschwili  (Akupunktur: Ganz fest und unkompliziert sagte der Vater: / Wenn wir glauben, werden wir alle Schmerzen im Griff haben, / und aus dem Finger wird das blühende Wort herausdringen, /nicht als Blut oder als Tränen, / sondern als Brief der Seele …) und Harald Gröhler  (Ich und nicht Eulenspiegel unterhalt mich nervös mit den Nachbarn, / über zwei Goldröhrlinge. / Die beiden gelben Pilze wachsen gleichzeitig unter einer Lärche, / artig nebeneinander.) sowie das Prosastück „Leben am Fluss“ von Regine Kress-Fricke.
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Dominik Irtenkauf , Wolfgang Schlott, Rainer Wedler, A. Dana Weber, Heide Rieck und Barbara Zeizinger besprechen Neuerscheingungen von Markus Liske, Marjana Gaponenko, Roland Kaehlbrandt, Irma Shiolashvili, Harald Gröhler, und Kurt Drawert.
 
Traian Pop
Es signiert:

• Dato Barbacadse • Daniel Bănulescu • Schriftsteller untergetaucht? • Signum •
Kathrin Schmidt • Gerd Künzel • Kerstin Hensel • Gert Steinert • Jörg Bernig • Uwe Claus • Erich Sobeslavsky • Roland Bärwinkel • Wolfgang Hädecke • Norbert Weiß • Jürgen Israel • Andreas Altmann • Uwe Hübner • Joochen Laabs  • Christian Hussel • Eckhard Mieder • Ralph Grüneberger • Benedikt Dyrlich •Thomas Rosenlöcher • Hans-Jörg Dost • Wolfgang David • Manfred Streubel • Rudolf Scholz • Hans Georg Bulla • Stefanie Golisch • Irma Shiolashvili • Harald Gröhler • Regine Kress-Fricke • Dominik Irtenkauf • Wolfgang Schlott • Rainer Wedler • A. Dana Weber • Heide Rieck • Barbara Zeizinger •


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