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Matrix ist eine Veröffentlichung des Pop Verlags

 

Nr. 2/ 2006 (4)

Leipzig, oh Leipzig… Die echte Bedeutung unserer Präsenz auf der Buchmesse Leipzig werden wir wahrscheinlich erst nach „Frankfurt 2006" verstehen. Bis dahin erinnern wir uns an die bemerkenswerten Lesungen mit Dieter Schlesak, Papi, Francisca Ricinski, eje winter, André Schinkel, Horst Fassel u.a. sowie an unzählige Kontakte und Gespräche am Stand, die hoffentlich unsere Zeitschrift vielen Lesern und Autoren näher bringen werden. Ein Thema dieser Gespräche war natürlich auch unsere neue Ausgabe.

Immer wieder kann man beobachten, dass wir Menschen, und da beziehe ich mich ausdrücklich mit ein, uns um kleine, unbedeutende, sogar nicht einmal existente Probleme kümmern, während wir echte, lebenswichtige Dinge ignorieren. Leben als Spiel, Spaßgesellschaft, um Stichworte zu nennen. Tausende von heroischen Spielen, anders als die Olympischen Spiele, werden überall und jede Sekunde „eröffnet": mehr oder weniger offiziell, indem jeder von uns als Zuschauer, Spieler, Richter oder „Präsident der Heroischen Spiele" auftreten darf.

Haben bis vor kurzem noch einige von uns ihr Leben „gespielt", sehen wir, meiner Meinung nach, heute fast nur die „Angepassten" vor uns. Das Schauspiel als Erfolgsschlüssel, jeder kennt dies: von der kleinen Angestellten, die mit ihrem Vorgesetzten spricht, über den Regierungschef, der Versprechungen ohne Inhalt als Heilmittel verkauft bis zu uns allen, die dies geräuschlos schlucken.

In unserer jetzigen Ausgabe haben wir uns vorgenommen, Texte zu drucken, die mindestens eine Facette dieses Spiels literarisch gestalten: Heroisch – Erotisch. [H]ero[t]ische Spiele. Wir könnten es uns erlauben, ehrlich und mutig unserem Glück gegenüber zu treten. Oder? Sicher: ohne diese am Pranger stehenden Verliebten, Ehebrecher usw., würden die meisten von uns gar kein Ziel im Leben finden. Wir alle könnten es uns erlauben, ehrlich und mutig an irgendeine Art Erotisches/Heroisches Spiel zu denken. Ob es sich jetzt um ein erotisches Rollenspiel zur Stimulation mit einer Prostituierten handelt oder um eine spielerische Gestalt aus dem Befreiungskrieg, hat keine Bedeutung. Es stimmt auch, dass man immer über Liebe, Sex oder Heroismus sprach: nichts Neues unter dem Himmel, bloß Schnee von gestern? Deswegen möchte ich Ihnen ein paar Stichworte aus dem Hauptessay dieser Ausgabe „Lieberalisiert. Liebe in popmodernen Zeiten" von Matthias Hagedorn zitieren, um Ihr Interesse zu wecken. Ich lege großen Wert auf die Feststellung, dass mein Name mit der Wortschöpfung „popmodern" nicht in Zusammenhang steht. Aber lachen wir darüber, vielleicht ist „poppmodern" gemeint. Interpretieren wir, jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten!

„( … ) Die Idylle der Unschuld trügt. Richtet nicht gerade die erste Liebe die größten Schäden an? ( … ) Erlösungssüchtige Frauen treffen auf beziehungsunfähige Männer. Während der Kopf sagt, dass die Beziehung in einer Katastrophe enden wird, rebelliert der Körper. ( … ) Die Wirklichkeit wird zur Attrappe. ( … )

Wir leben, mehr oder weniger bewusst, in dieser „popmodernen" Zeit, in einer Zeit, wo aber auch der /die „echt Verliebte" existiert. Genauso wie der Mann, der seine Lebensgefährtin kujoniert, um seinen Besitzinstinkt zu stillen. Alles dreht sich um die Erotik, oft zu Lasten des weiblichen Körpers, siehe die Titelbilder mancher Zeitschriften.

Was machen wir nun mit dem heroischen Spiel? Ich schlage vor, wir suchen es in den Zwischenzeilen dieser Ausgabe. Oder in der nächsten mit dem Titelthema „Mörderische LeseGelüste". Wir erwarten Ihre Reaktion. Schreiben Sie uns!

Traian Pop, April 2006, Ludwigsburg 

Nr. 1/ 2006 (3)

Ein Mensch sitzt am Schreibtisch und starrt die Wand an. Ab und zu schreibt er etwas ... Ein paar Minuten später wirft er es in den Papierkorb … Wer mag so etwas?

Oft ist von Inspiration die Rede. Ein Privileg? Mag sein, wenn auch nur für denjenigen, der sich auf seinem Weg nicht beirren lässt! Seine Arbeit? Suche, nichts als Suche, ein ewiges Abenteuer: Jede scheinbar beantwortete Frage zieht im Handumdrehen einen Haufen neue, nicht ohne weiteres zu beantwortende Fragen nach sich. Merkwürdig, dass alles aus einem Ich weiß nicht herausplatzt. Man braucht schon gehörigen Mut, um das zuzugeben.

Es gab und gibt leider nur wenige Menschen, die ins Unwägbare aufbrechen. Die meisten rackern sich ab für ihren täglichen Müsliriegel und die jährliche Pauschalreise. Da wird sich kaum etwas ändern …

Die Dichter, sagt Nobelpreisträgerin Wislawa Symborska, zählen zu den privilegierten Menschen, die von Eingebungen heimgesucht werden. Doch der Inspiration bedienen sich auch Diktatoren und Kriminelle, könnte man hinzufügen. Gewiss… Der Unterschied ist aber: keiner von ihnen wird Ich weiß nicht sagen. Sie wissen alles, kennen alles zur Genüge. Unstrittig ist hingegen, dass ohne dieses Ich weiß nicht selbst ein Einstein kein bescheidener Mathematiklehrer geblieben wäre...

Worte werden viele gemacht... Von Allen und Keinem! In der jetzigen Matrix-Ausgabe haben wir uns mit diversen Texten einiger Zaungäste dieser Welt auseinandergesetzt, mit diesem endlosen und inkommensurablen Theater, wo für jeden von uns Karten reserviert sind, oft mit verdammt kurzer Halbwertszeit, zwischen zwei komischen Hieroglyphen oder Sternzeichen. Einige Gäste also, die Jeder von uns und Keiner, sein könnten.

„Nein, werden Sie sagen. Jeder von uns will dem anderen gar nichts sagen. An Zukunftsräume denkt niemand im Ernst."

Na ja, das habe ich nicht unbedingt behauptet, selbst wenn ich den „Alle oder Keinen" Trumpf aus dem Ärmel gezaubert hätte. Glauben Sie mir auch? Nein? Dann schlagen Sie doch mal dieses Heft auf. Gleich ab Seite drei. Es geht natürlich um Literatur. Aber nicht nur um sie, die Poesie, sondern um Sie und Er, ihre vielen Zeichen, die nicht immer etwas be-zeichnen. Sehen Sie am besten selbst nach dem Rechten oder auch nicht. Suchen Sie doch nach einem Zukunftsraum! Selbst wenn Sie ihn auch hier nicht finden: an mir soll’s nicht liegen…

 1 Oft ist auch von Liebe die Rede. Doch wer spricht schon offen über sie? Wer von uns kann es sich leisten, ehrlich und mutig seinem Glück oder Unglück gegenüber zu treten? Über dies, und nicht nur, erfahren Sie Interessantes in der nächsten Matrix-Ausgabe mit dem Titelthema „[H]ero[t]ische Spiele".

Traian Pop, Jan. 2006, Ludwigsburg

 

Nr. 1-2 / 2005

Ist Leben ohne Vergessen möglich? Wohl kaum. Doch ist das Leben erträglich, ohne gegen das Vergessen anzugehen?

Der Impuls zu schreiben, zu fotografieren, zu gestalten, um Leben festzuhalten, ist in unserer schnelllebigen Zeit durchaus üblich. Doch einen Verlag zu gründen und eine Zeitschrift herauszugeben – ist das denn nicht abenteuerlich? Jetzt, wo existenzielle Unwägbarkeiten den Alltag bestimmen? Wo Arbeitsplätze und soziale Sicherungssysteme wegbrechen? Wo die Lebenshaltungskosten explodieren? Wo neue elektronische Medien die Konsum- und Kommunikationsgepflogenheiten diktieren, ja revolutionieren?

Jetzt erst recht! Denn „Der Dichter", so Michel Butor im Gespräch mit Rodica Draghincescu in ihrem 2005 erschienenen Band „Schreibenleben", „fühlt sich zwar oft ohnmächtig, ist es aber viel weniger als ein Politiker. Wie bei einer chemischen Katalyse steuert er ein Element bei, das kaum wägbar sein mag, aber die ihn umgebenden Mechanismen nach und nach völlig verändert." Wenn er ein entsprechendes Forum findet.

„Matrix. Zeitschrift für Literatur & Kunst" ist der europäischen Idee verpflichtet und will deutschen Lesern Gemeinsamkeiten und Unterschiede der vielfältigen Kulturen, Sprachen und Literaturen des Kontinents näher bringen sowie Künstlern aus ganz Europa ermöglichen, sich gegenseitig kennen zu lernen. Lyrik und Prosa, Rezensionen, Essays über aktuelle und historische, kulturelle und politische, künstlerische und biografische Themen, Interviews, Informationen über Verlage, Literaturfestivals, Ausstellungen und Publikationen aus ganz Europa sind Eckpfeiler unseres Programms. Dem vorliegenden ersten Heft ist unschwer zu entnehmen, dass sich die Zeitschrift zum Ziel gesetzt hat, sowohl Traditionen zu pflegen als auch Innovationen vorzustellen. Wie in den Buch-Reihen des POP Verlags werden Schriftsteller und Kritiker - von noch unbekannt bis bedeutend - sowie namhafte Gäste aus außereuropäischen Ländern veröffentlicht. Die wichtigsten Rubriken heißen: „Die Welt und ihre Dichter", „Leuchttürme" , „Atelier", „Prima Verba", „Rezensionen", „Aus der Kulturszene". „Signum" wird mit Kostproben von lesenswerten Neuerscheinungen Einblicke ins Buchprogramm des POP Verlags ermöglichen. Dass die Zeitschrift nicht allen wichtigen literarischen und kulturellen Phänomenen in gleicher Weise und in gleichem Umfang gerecht werden kann, liegt auf der Hand. Einen Zeit-Spiegel aber bietet jeder Kultur-Akt – vor allem wenn er frische Luft auf die Bühne bringt.

Das Titelthema dieser Ausgabe lautet nicht zufällig „… gegen das Vergessen und das Vergessen des Vergessens". Denn „Matrix" setzt auf das grundlegende menschliche Bedürfnis, Leben und Zeitgeschehen festzuhalten. Über Ihr Interesse an diesem Projekt – ob als Leser oder Autor, Abonnent oder Sponsor – würden wir uns aufrichtig freuen.

Traian Pop, Ludwigsburg,  Okt. 2005

 

 

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